Fraktur

Schriftgattung · Druckschriften der Renaissance · 16. bis 20. Jahrhundert · Elegant, reich an Formen

Die Fraktur ist die bekannteste gebrochene Druckschrift. Sie entstand Anfang des 16. Jahrhunderts aus der Textura und ist eng mit Kaiser Maximilian I. verbunden. Erste Druckfrakturen entstanden in seinem Auftrag: für sein Gebetbuch (1513) und für den „Theuerdank“ (1517), beide gedruckt von Johann Schönsperger. In Nürnberg entstand in den 1520er Jahren im Umfeld Albrecht Dürers eine weitere wichtige Fraktur.

Kennzeichen der Fraktur sind die teils gebrochenen, teils gerundeten Bögen und die geschwungenen „Elefantenrüssel“ an vielen Großbuchstaben. Dazu kommen das lange s (ſ) und Pflichtligaturen wie ch, ck, tz und ſt. Die Kleinbuchstaben wirken gotisch streng, die Großbuchstaben dagegen schwungvoll und renaissancehaft.

Von der Mitte des 16. bis ins frühe 20. Jahrhundert war die Fraktur die meistgenutzte Druckschrift im deutschen Sprachraum. Ihre Konkurrentin war die Antiqua. Wissenschaftlich-technische Zeitschriften stellten schon im späten 19. Jahrhundert um, die VDI-Zeitschrift etwa 1872. Im Antiqua-Fraktur-Streit standen sich ab den 1880er Jahren Vereine beider Lager gegenüber, etwa der 1885 gegründete Verein für Altschrift.

1911 befasste sich der Reichstag mit einer Petition, die Antiqua stärker in den Schulen zu verankern. Nach einer emotionalen Kampagne der Frakturbefürworter scheiterte sie knapp. Das Ende der Fraktur als Alltagsschrift kam erst durch die Nationalsozialisten: Ein von Martin Bormann verbreitetes Rundschreiben vom 3. Januar 1941 erklärte die Antiqua zur „Normalschrift“ und diffamierte die gebrochenen Schriften als angebliche „Schwabacher Judenlettern“. Als eigentlicher Grund gilt, dass Frakturdrucke in den besetzten Ländern schwer lesbar waren.

Nach 1945 kehrte die Fraktur nicht als Alltagsschrift zurück. Der Duden erschien 1941 zum letzten Mal in Fraktur. Einzelne Ausnahmen gab es noch lange: Manche Bibelausgaben erschienen bis in die 1960er Jahre in Fraktur, und auf DM-Banknoten stand das Wort „Banknote“ in Fraktur. Heute begegnet sie vor allem in Zeitungsköpfen, auf Schildern und in nostalgischer Werbung.

  • Gebrochene Bögen, schmale Kleinbuchstaben
  • Schwungvolle Großbuchstaben
  • Langes ſ und rundes s
  • Ligaturen ch, ck, tz, ſt
  • Sperrung statt Kursiv

Alphabet

Kleinbuchstaben

  • a
  • b
  • c
  • d
  • e
  • f
  • g
  • h
  • i
  • j
  • k
  • l
  • m
  • n
  • o
  • p
  • q
  • r
  • s
  • t
  • u
  • v
  • w
  • x
  • y
  • z

Großbuchstaben

  • A
  • B
  • C
  • D
  • E
  • F
  • G
  • H
  • I
  • J
  • K
  • L
  • M
  • N
  • O
  • P
  • Q
  • R
  • S
  • T
  • U
  • V
  • W
  • X
  • Y
  • Z

Umlaute und Sonderzeichen

  • ä
  • ö
  • ü
  • Ä
  • Ö
  • Ü
  • ß
  • langes s

Satzzeichen

  • .
  • ,
  • ;
  • :
  • !
  • ?
  • „
  • “
  • ‚
  • ‘
  • »
  • «
  • (
  • )
  • -
  • –
  • '
  • &
  • §
  • *
  • /

Ziffern

  • 0
  • 1
  • 2
  • 3
  • 4
  • 5
  • 6
  • 7
  • 8
  • 9

Ligaturen

  • ch
  • ck
  • tz
  • ſt
  • ſſ
  • ſch
  • ff
  • fi
  • fl
  • ft
  • tt
  • ll

Wörter im Vergleich

SchatzSaSchatzSaSaSchatz
FensterFenſterFenſterFenſterFenſterFenster
KircheKireKircheKireKireKirche
WasserWaerWaſſerWaerWaerWasser

Selbst ausprobieren

Fraktur übenDer kleine SchatzEin gleiches (Wandrers Nachtlied)Der süße BreiDer Wolf und die sieben jungen GeisleinHänsel und Grethel

Verwandte Schriften

  • TexturaDie Fraktur entwickelte sich Anfang des 16. Jahrhunderts aus der Textura.
  • SchwabacherDie Vorgängerin als Hauptschrift deutscher Drucke, später innerhalb von Frakturtexten als Auszeichnungsschrift verwendet.
  • Theuerdank-FrakturDie Type des „Theuerdank“ (1517) gilt als eine der ersten Druckfrakturen.
  • Breitkopf-FrakturEine klassizistisch beruhigte Fraktur des 18. Jahrhunderts, bis ins frühe 20. Jahrhundert eine der meistgenutzten.
  • Deutsche KurrentDie Kurrent war das handschriftliche Gegenstück zur Druckfraktur, ebenfalls betroffen vom Erlass von 1941.
  • Deutsche NormalschriftDiese lateinische Schulschrift wurde nach dem Erlass vom 1. September 1941 an Schulen gelehrt und löste die deutsche Schreibschrift ab.

Digitale Schriftdateien

  • Berthold Mainzer Fraktur – Peter Wiegel. SIL Open Font License 1.1 / GPL mit Font-Ausnahme. Bezugsquelle
  • UnifrakturMaguntia – j. ’mach’ wust, nach einem Font von Peter Wiegel. SIL Open Font License 1.1. Bezugsquelle
  • Koch Fette Deutsche Schrift – Peter Wiegel. SIL Open Font License 1.1 / GPL mit Font-Ausnahme. Bezugsquelle
  • Fette UNZ Fraktur – Peter Wiegel. SIL Open Font License 1.1 / GPL mit Font-Ausnahme. Bezugsquelle
  • Breitkopf Fraktur – Dieter Steffmann. 1001Fonts Free For Commercial Use License (FFC). Bezugsquelle
  • Seitenbelege aus Kapr 1993 und Hartmann 1999 werden ergänzt.
  • Reichstag 1911: de.wikipedia nennt die Debatte am 4. Mai 1911 und eine knappe Entscheidung mit 85 zu 82 Stimmen, außerdem eine Schlussabstimmung am 17. Oktober 1911 mit rund 75 % dagegen. Die Darstellung ist nicht eindeutig und nicht an den Stenographischen Berichten geprüft.
  • Wer die erste Fraktur erfand, ist offen. Genannt werden Vinzenz Rockner und auch Leonhard Wagner.
  • Das Gebetbuch Maximilians wird auf 1513 datiert, eine Münchner Katalogangabe nennt 1514/15.
  • Das Motiv für den Erlass von 1941 (Lesbarkeit im Ausland) ist plausibel, gilt in der Forschung aber als diskutiert.
  • „Verbot 1941“: Formal erklärte der Erlass die Antiqua zur Normalschrift und untersagte Behörden die Schwabacher bzw. Fraktur. Ein vollständiges Druckverbot war es nicht, die Umsetzung erfolgte schrittweise.

Quellen

  1. Kapr, Albert: Fraktur. Form und Geschichte der gebrochenen Schriften. Mainz: Hermann Schmidt, 1993.
  2. Bain, Peter; Shaw, Paul (Hrsg.): Blackletter: Type and National Identity. New York: Princeton Architectural Press, 1998.
  3. Hartmann, Silvia: Fraktur oder Antiqua. Der Schriftstreit von 1881 bis 1941. Frankfurt a. M.: Peter Lang, 2. Aufl. 1999.

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