Deutsche Kurrent

Handschrift · Handschriften · 16. bis Mitte 20. Jahrhundert · Verbundene deutsche Handschrift

Brief Mutter

Die deutsche Kurrentschrift (von lateinisch currere, „laufen“) war vom Beginn der Neuzeit bis ins 20. Jahrhundert die übliche Handschrift im deutschen Sprachraum. Sie entstand aus spätmittelalterlichen Kanzlei- und Geschäftsschriften und zählt zu den gebrochenen Schriften. Daneben gab es lange eine „Zweischriftigkeit“: Lateinische und französische Texte, Fremdwörter und Eigennamen schrieb man in lateinischer Schrift, Deutsch dagegen in Kurrent.

Im 19. Jahrhundert wurde die Schrift einheitlicher und war nun die Schulschrift, die man genau nachahmen sollte. Die neue spitze Stahlfeder machte die Linien je nach Druck dick oder dünn und verstärkte die Schräglage. Archive beschreiben die Behördenschrift dieser Zeit als korrekt, aber nüchtern und unpersönlich. Mit Sütterlins vereinfachter Schulschrift (ab 1915) begann der Abschied von der alten Form. Der Erlass vom 1. September 1941 beendete dann den Unterricht in deutscher Schreibschrift an den Schulen.

Typisch ist die starke Rechtsneigung mit langen Ober- und Unterlängen. Das e besteht aus zwei schmalen Spitzen und sieht einem n sehr ähnlich. Aus diesem kleinen e über einem Buchstaben sind historisch die Umlautpunkte entstanden. Damit man u und n unterscheiden kann, bekommt das u einen Bogen darüber. Ein waagerechter Strich über m oder n bedeutet, dass der Buchstabe doppelt zu lesen ist (Himmel, gekannt).

Beim s gibt es zwei Formen. Das lange s steht am Wort- und Silbenanfang, im Wortinneren, in st, sp und sch und bei ss. Das runde s steht am Wort- oder Silbenende und als Fugen-s. Aus langem s und z entstand das ß. Bei Wörtern wie „Hausschlüssel“ stehen deshalb beide s-Formen direkt nebeneinander.

Lesetipps aus der Archivpraxis: Zähle bei Wörtern mit vielen Spitzen (etwa mit e, n, u oder m) die Abstriche. Prüfe Ober- und Unterlängen und vergleiche Buchstaben innerhalb desselben Textes. Rechne mit älteren Schreibweisen wie „Hülfe“ oder „Becker“. Heute lernt man Kurrent vor allem in Archivkursen und in der Familienforschung.

  • Spitze, rechtsgeneigte Formen
  • Das e ähnelt einem schmalen n
  • Bogen über dem u

Alphabet

Kleinbuchstaben

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Umlaute und Sonderzeichen

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  • ö
  • ü
  • Ä
  • Ö
  • Ü
  • ß
  • langes s

Satzzeichen

  • .
  • ,
  • ;
  • :
  • !
  • ?
  • „
  • “
  • ‚
  • ‘
  • (
  • )
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  • –
  • '
  • /

Ziffern

  • 0
  • 1
  • 2
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  • 4
  • 5
  • 6
  • 7
  • 8
  • 9

Ligaturen

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Verwandte Schriften

  • Kurrent des 18. JahrhundertsDie ältere, mit dem Federkiel geschriebene Form derselben Schrift – vielfältiger und oft verzierter.
  • SütterlinDie vereinfachte Schulschrift, die die Kurrent ab 1915 in deutschen Schulen nach und nach ablöste.
  • Deutsche NormalschriftDie lateinische Schulschrift, die nach dem Erlass vom 1. September 1941 an die Stelle der deutschen Schreibschrift trat.
  • BastardaGilt in der paläographischen Literatur als Ausgangspunkt der Kurrent, genauer die Kanzleibastarda.
  • FrakturIhr Gegenstück im Druck. Beide galten als „deutsche Schrift“ und verloren 1941 durch Anordnungen des NS-Regimes ihre Stellung.