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Alter Gruß der Buchdrucker und Schriftsetzer

Es gibt Erfindungen, die eine Branche verändern. Und es gibt Erfindungen, die die Welt verändern. Der BuchdruckBuchdruck: Hochdruckverfahren: Nur die erhabenen Teile der Lettern nehmen Farbe an und werden aufs Papier gepresst. Die Technik, mit der Gutenberg um 1450 begann. mit beweglichen Metalllettern gehört zur zweiten Sorte – und er wurde in Mainz geboren.

Eine Idee aus Mainz, die die Welt verändert hat

Um 1450 brachte Johannes Gutenberg in Mainz zusammen, was vorher niemand so verbunden hatte: ein verstellbares GießinstrumentGießinstrument: Verstellbare Handgießform, mit der Gutenberg Lettern in beliebiger Menge und genau gleicher Höhe gießen konnte – vermutlich der eigentliche Kern seiner Erfindung., mit dem sich Lettern in beliebiger Zahl und auf den Bruchteil eines Millimeters gleich gießen ließen, eine Metalllegierung, die schnell erstarrt und scharf abformt, eine ölhaltige Druckfarbe und eine Presse. Um 1454 war seine zweiundvierzigzeilige Bibel fertig – in rund 180 Exemplaren, gesetzt in einer Textura von solcher Schönheit, dass sie bis heute als eines der vollkommensten Bücher überhaupt gilt.

Was danach geschah, ist eine Explosion des Wissens. Bis zum Jahr 1500 entstanden in ganz Europa rund 30.000 verschiedene gedruckte Ausgaben, die sogenannten InkunabelnInkunabel: Wiegendruck: ein Buch, das in der Frühzeit des Buchdrucks bis zum Jahr 1500 gedruckt wurde.. Luthers Schriften erreichten innerhalb weniger Jahre Hunderttausende Menschen. 1605 erschien in Straßburg die erste Zeitung der Welt. Ohne den Buchdruck keine Reformation in dieser Form, keine Aufklärung, keine moderne Wissenschaft, keine allgemeine Schulbildung.

Ehrlich gesagt: Bewegliche Lettern gab es schon früher – um 1040 in China aus Ton, im 14. Jahrhundert in Korea sogar aus Metall. Gutenbergs Leistung war das System, das aus dem Drucken ein Verfahren für Millionen machte. Genau dieses System hat sich von Mainz aus über die ganze Welt verbreitet. Fünf Jahrhunderte lang wurde jedes Buch, jede Zeitung, jedes Flugblatt im Grunde so gemacht, wie man es in Mainz erfunden hatte. Man nannte es die Schwarze KunstSchwarze Kunst: Alter Beiname des Buchdrucks – nach der schwarzen Druckfarbe, der Druckerschwärze. – und das war als Ehrentitel gemeint.

Unsere Schriften – unser Gedächtnis

Rund 400 Jahre lang las man im deutschen Sprachraum FrakturFraktur: Gebrochene Druckschrift, die im deutschen Sprachraum rund 400 Jahre lang die übliche Schrift für Bücher und Zeitungen war. und schrieb KurrentKurrent: Die alte deutsche Schreibschrift, mit der bis ins 20. Jahrhundert Briefe, Urkunden und Kirchenbücher geschrieben wurden.. In diesen Schriften stehen die Briefe unserer Urgroßeltern, die Kirchenbücher unserer Dörfer, die Märchen der Brüder Grimm, Zeitungen, Verträge, Kochbücher, Tagebücher. Sie sind kein Randthema der Geschichte – sie sind ihre Handschrift.

Und doch kann sie heute kaum noch jemand lesen. Nach dem Zweiten Weltkrieg lernten Kinder in der Schule nur noch die lateinische Schrift. Schreibmaschine, Computer und Internet sprachen ohnehin Antiqua. So riss innerhalb von zwei, drei Generationen ein Faden ab, der vorher über Jahrhunderte gehalten hatte. Nicht, weil diese Schriften schlecht gewesen wären – sondern weil niemand mehr sie weitergab.

Altmodisch? Belastet? Schauen wir genauer hin.

Wer heute eine Fraktur sieht, denkt oft an zwei Dinge: an Omas Kochbuch und verstaubte Amtsstuben – oder an die dunkelsten Jahre der deutschen Geschichte. Beides wird diesen Schriften nicht gerecht.

Altmodisch? In gebrochenen Schriften erschienen Luthers Bibel, Kants Kritiken, Goethes „Faust“, Schillers Dramen und die Märchen der Brüder Grimm. In ihnen wurden Zeitungen gedruckt, Erfindungen beschrieben, Gesetze verkündet. Diese Schrift war jahrhundertelang das Gesicht von Wissen, Aufbruch und Moderne. Und sie ist es bis heute: Die New York Times und die Washington Post tragen ihren Namen in gebrochener Schrift auf der Titelseite – nicht aus Nostalgie, sondern weil nichts mehr Würde und Gewicht ausstrahlt.

Belastet? Gebrochene Schriften gibt es seit über 800 Jahren. Mittelalterliche Mönche, Gutenberg, die Reformatoren, die Dichter der Klassik, Verleger aller Konfessionen – sie alle haben mit ihnen gearbeitet. Wer gebrochene Schriften heute für eine „Nazischrift“ hält, sitzt einem Missverständnis auf.

Wir laden dazu ein, diese Schriften mit neuen Augen zu sehen: als Kunstwerke aus Feder und Metall, als Schlüssel zu Briefen, Archiven und Büchern – und als ein Erbe, das allen gehört, die es lesen können. Wer einmal ein paar Stunden geübt hat, merkt: Fraktur ist nicht fremd. Sie ist nur in Vergessenheit geraten.

Wofür wir stehen

Wir finden: Diese Schriften gehören zurück in unsere Kultur – nicht ins Museum hinter Glas, sondern in die Hände und vor die Augen der Menschen. Wer Fraktur und Kurrent lesen kann, öffnet Türen zu Familienbriefen, Archiven und Büchern, die sonst stumm bleiben. Wer ihre Formen kennt, sieht Geschichte auf jedem Zeitungskopf, jedem Bieretikett, jeder alten Hauswand.

  • Erklären: Jede Schrift mit ihrer Geschichte, sauber recherchiert und mit Quellen belegt – auch dort, wo etwas noch unsicher ist.
  • Lesen lernen: Kurze Übungen, mit denen jeder Fraktur, Kurrent und Sütterlin lesen lernt.
  • Selbst gestalten: Im Schriftstudio eigene Texte in historischen Schriften setzen.
  • Bewahren: Auf das Handwerk aufmerksam machen, das diese Schriften möglich gemacht hat – vom StempelStempel: Das erhaben geschnittene Stahl-Original eines Buchstabens, auch Patrize genannt. Er wird in weicheres Metall geschlagen und erzeugt so die Mater. Wer Stempel schneidet, heißt Stempelschneider. über die MaterMater: Gießform für eine Letter, auch Matrize genannt (Mehrzahl: Matern). Ein kleines Metallstück, in das das Buchstabenbild vertieft eingeprägt ist; jede Mater ergibt beim Guss immer denselben Buchstaben. bis zur gegossenen Letter.

Unser Name ist dabei ein Versprechen. In einer SchriftgießereiSchriftgießer: Handwerker, der Drucklettern aus Metall gießt. Ein eigener Lehrberuf, der mit dem Bleisatz fast verschwunden ist. entstanden die Buchstaben, aus denen Bücher wurden. Die letzten Werkstätten dieser Art stehen heute vor dem Aus – wie es um den letzten Schriftgießer Europas steht, lest ihr in unserem Blog.

Wir wollen, dass Gutenbergs Erbe nicht nur gefeiert, sondern gelesen, geschrieben und weitergegeben wird. Ohne Werbung, ohne Tracking, kostenlos – für alle, die neugierig sind.

Quellen zu den Jahreszahlen und zum Schriftverbot finden sich auf den Seiten der einzelnen Schriften und unter Quellen & Literatur.