Der süße Brei
Brüder Grimm, Kinder- und Haus-Märchen Nr. 103 (Ausgabe 1857) · Märchen · Kenner
Originale Rechtschreibung von 1857 (z. B. „gieng“, „Armuth“, „Noth“).
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Es war einmal ein armes frommes Mäden, das lebte mit ſeiner Muer aein, und e haen nits mehr zu een. Da gieng das Kind hinaus in den Wald, und begegnete ihm da eine alte Frau, die wußte ſeinen Jammer on und enkte ihm ein Töpfen, zu dem ſot es ſagen „Töpfen, koe,“ ſo kote es guten ſüßen Hirſenbrei, und wenn es ſagte „Töpfen, ſteh,“ ſo hörte es wieder auf zu koen.
Das Mäden brate den Topf ſeiner Muer heim, und nun waren e ihrer Armuth und ihres Hungers ledig und aßen ſüßen Brei ſo o e woten. Auf eine Zeit war das Mäden ausgegangen, da ſpra die Muer „Töpfen, koe,“ da kot es, und e ißt ſa; nun wi e daß das Töpfen wieder aufhören ſo, aber e weiß das Wort nit.
Alſo kot es fort, und der Brei ſteigt über den Rand hinaus und kot immer zu, die Küe und das ganze Haus vo, und das zweite Haus und dann die Straße, als wots die ganze Welt ſa maen, und iſt die größte Noth, und kein Men weiß da zu helfen. Endli, wie nur no ein einziges Haus übrig iſt, da kommt das Kind heim, und ſprit nur „Töpfen, ſteh,“ da ſteht es und hört auf zu koen; und wer wieder in die Stadt wote, der mußte dureen.
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Textgrundlage
- Brüder Grimm: Der süße Brei. In: Kinder- und Haus-Märchen, Bd. 2, 7. Aufl. (Ausgabe letzter Hand). Göttingen: Dieterich, 1857, S. 90. Link