Schwabacher

Schriftgattung · Druckschriften der Renaissance · ab ca. 1470/1480 · Breit, charaktervoll

Haus Brot

Die Schwabacher ist eine gebrochene Schrift aus dem 15. Jahrhundert. Sie ist runder, offener und breiter als die strenge gotische Textura, aus der sie hervorging. Als ältester Beleg gilt ein Augsburger Wiegendruck von 1472, vermutlich von Johann Bämler. Ab etwa 1485 ist die Schrift auch in Nürnberg nachgewiesen.

Rund 50 Jahre lang, etwa von 1480 bis 1530, war die Schwabacher die vorherrschende Schrift für deutschsprachige Drucke. Anton Koberger setzte die Schedelsche Weltchronik (1493) in ihr, Albrecht Dürer seine Apokalypse (1498). Weil viele Ausgaben der Lutherbibel und ihre Nachdrucke ab 1522 in Schwabacher erschienen, kannte man die Schrift im deutschen Sprachraum über Jahrhunderte.

Ab der Mitte des 16. Jahrhunderts löste die Fraktur die Schwabacher als Hauptschrift ab. In Frakturtexten blieb sie jedoch bis ins 20. Jahrhundert als Auszeichnungsschrift in Gebrauch, ähnlich der Kursiven neben der Antiqua. Daher stammt das Verb „schwabachern“ für das Hervorheben von Hand.

Typisch sind die stark gerundeten Formen: Das kleine o ist auf beiden Seiten rund, in der Textura dagegen auf beiden Seiten eckig und in der Fraktur halb rund, halb eckig. Kennzeichen sind außerdem das oben gekreuzte g und das charakteristische große H. Trotz der Rundungen zeigt sie scharfe Brechungen und zählt daher zu den gebrochenen Schriften.

Woher der Name kommt, ist nicht geklärt. In Schwabach gab es damals keine Druckerei. Vermutet wird ein Zusammenhang mit den Schwabacher Artikeln von 1529. Im Normalschrifterlass vom 3. Januar 1941 nannte Martin Bormann die Schrift „Schwabacher Judenlettern“. Diese Behauptung ist historisch haltlos, denn die Schrift war seit dem 15. Jahrhundert in Gebrauch und Juden durften nach den Zunftregeln nicht in Druckereien arbeiten.

  • Breite, runde Formen
  • Kräftiger Grauwert
  • Einfachere Großbuchstaben als die Fraktur

Alphabet

Kleinbuchstaben

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Großbuchstaben

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  • Q
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  • X
  • Y
  • Z

Umlaute und Sonderzeichen

  • ä
  • ö
  • ü
  • Ä
  • Ö
  • Ü
  • ß
  • langes s

Satzzeichen

  • .
  • ,
  • ;
  • :
  • !
  • ?
  • „
  • “
  • ‚
  • ‘
  • »
  • «
  • (
  • )
  • -
  • –
  • '
  • &
  • §
  • *
  • /

Ziffern

  • 0
  • 1
  • 2
  • 3
  • 4
  • 5
  • 6
  • 7
  • 8
  • 9

Ligaturen

  • ch
  • ck
  • tz
  • ſt
  • ſſ
  • ſch
  • ff
  • fi
  • fl
  • ft
  • tt
  • ll

Wörter im Vergleich

HausHausHausHaus
BrotBrotBrotBrot
GlockeGlockeGloeGloe
SchwesterSchweſterSweſterSweſter

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Schwabacher übenDer Fuchs und die TraubenRothkäppchen

Verwandte Schriften

  • TexturaDie Schwabacher entstand aus der Textura, ist aber deutlich runder und offener.
  • BastardaWie die Bastarda ist sie eine gebrochene Schrift zwischen der Textura und der Gebrauchsschrift und steht ihr in Rundung und Duktus nahe.
  • FrakturDie Fraktur verdrängte die Schwabacher ab etwa 1530/1550 als Hauptschrift, in Frakturtexten diente die Schwabacher dann als Auszeichnungsschrift.
  • RotundaMit der Rotunda teilt sie die gerundeten Bögen, beide sind „runde“ Vertreter der gebrochenen Schriften.

Digitale Schriftdateien

  • Alte Schwabacher – Dieter Steffmann. 1001Fonts Free For Commercial Use License (FFC). Bezugsquelle
  • Hamburger Schwabacher – Peter Wiegel. SIL Open Font License 1.1 / GPL mit Font-Ausnahme. Bezugsquelle
  • Ehmcke Schwabacher – Peter Wiegel. SIL Open Font License 1.1 / GPL mit Font-Ausnahme. Bezugsquelle
  • Die Herkunft des Namens (vermutlich von der Stadt Schwabach) ist nicht eindeutig belegt.
  • Die Herkunft des Namens ist ungeklärt (vermutet wird ein Bezug zu den Schwabacher Artikeln 1529).
  • Der Erstbeleg 1472 bei Johann Bämler in Augsburg ist nur „vermutlich“ (laut de.wikipedia).
  • Datierung der Schedelschen Weltchronik: Wikipedia schreibt „um 1490“, die übliche Angabe ist 1493.
  • Die Nähe zu Bastarda und Rotunda ist eine typologische Einordnung, die nicht eigens aus einer Quelle belegt ist.

Quellen

  1. Kapr, Albert: Fraktur. Form und Geschichte der gebrochenen Schriften. Mainz: Hermann Schmidt, 1993.
  2. Bain, Peter; Shaw, Paul (Hrsg.): Blackletter: Type and National Identity. New York: Princeton Architectural Press, 1998.
  3. Ehmcke, F. H.: Deutsches Schreib-Büchlein. Brause & Co., 3. Aufl. 1941 (Vorlage der Fonts Hand Textur und Ehmcke Schwabacher). Link

Weitere Quellen der Recherche