Deutsche Normalschrift
Handschrift · Schulschriften · ab 1941 · Lateinische Schulschrift
Sule He
Die Deutsche Normalschrift ist eine lateinische Schreibschrift, die 1941 im Deutschen Reich verbindliche Schulschrift wurde. Vorausgegangen war ein Rundschreiben von Martin Bormann vom 3. Januar 1941. Darin wurde die Antiqua zur „Normal-Schrift“ erklärt, und die „gotischen“ Schriften sollten im Druck nach und nach verschwinden. Für die Schulen folgte am 1. September 1941 ein Runderlass des Reichserziehungsministeriums. Ab dem Schuljahr 1941/42 sollte nur noch die lateinische „deutsche Normalschrift“ geschrieben werden, die deutsche Schreibschrift fiel weg.
Gestalterisch baut die Normalschrift nach mehreren Quellen auf Sütterlins lateinischem Alphabet auf, ist aber nach rechts geneigt. Die Formen sind vereinfacht, und das lange s gibt es nicht mehr. Fraktur sollten die Kinder in den ersten Schuljahren aber weiter lesen lernen. Wegen des Krieges ließ sich die Umstellung nur langsam umsetzen, weil Lehrmaterial und neue Drucklettern fehlten.
In der Bundesrepublik blieb die Normalschrift zunächst in Gebrauch. Ein Kreis von Schreibfachleuten, der Iserlohner Schreibkreis, überarbeitete sie leicht. Am 4. November 1953 machte die Kultusministerkonferenz das Ergebnis als „Lateinische Ausgangsschrift“ (LA) verbindlich. Einzelne Länder folgten erst später, Bremen 1960 und Bayern 1966. In der DDR entwickelte sich daraus eine eigene Linie: zunächst die Schulschrift von 1958, ab 1968 die Schulausgangsschrift.
Auch Österreich gehörte 1941 zum Deutschen Reich, und der Erlass galt dort ebenfalls. Nach dem Krieg erklärte das österreichische Unterrichtsministerium mit Erlass vom 3. Oktober 1946 die lateinische Schrift zur Schulschrift. Die deutsche Schreibschrift sollte nicht mehr unterrichtet werden, gelegentliches Lesen war aber erlaubt. Ab 1951 sollten Schüler der 5. Schulstufe wieder in die deutsche Schreibschrift eingeführt werden.
Für heutige Leser ist die Normalschrift leicht zu entziffern, weil sie der heutigen Schreibschrift sehr nahe ist. Briefe aus den 1940er Jahren zeigen aber oft Mischformen. Wer noch Sütterlin gelernt hatte, streute manchmal deutsche Buchstaben wie das deutsche e oder das lange s in die lateinische Schrift ein.
Alphabet
Kleinbuchstaben
- a
- b
- c
- d
- e
- f
- g
- h
- i
- j
- k
- l
- m
- n
- o
- p
- q
- r
- s
- t
- u
- v
- w
- x
- y
- z
Großbuchstaben
- A
- B
- C
- D
- E
- F
- G
- H
- I
- J
- K
- L
- M
- N
- O
- P
- Q
- R
- S
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- U
- V
- W
- X
- Y
- Z
Umlaute und Sonderzeichen
- ä
- ö
- ü
- Ä
- Ö
- Ü
- ß
- langes s
Satzzeichen
- .
- ,
- ;
- :
- !
- ?
- „
- “
- ‚
- ‘
- »
- «
- (
- )
- -
- –
- '
- &
- §
- *
- /
Ziffern
- 0
- 1
- 2
- 3
- 4
- 5
- 6
- 7
- 8
- 9
Ligaturen
- ch
- ck
- tz
- ſt
- ſſ
- ſch
- ff
- fi
- fl
- ft
- tt
- ll
Wörter im Vergleich
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Verwandte Schriften
- SütterlinWurde 1941 von der Normalschrift abgelöst; Grundlage war Sütterlins lateinisches Alphabet.
- Deutsche KurrentDer Erlass von 1941 beendete den Unterricht in der traditionellen deutschen Schreibschrift.
- SchulkursivDie DDR-Schulausgangsschrift von 1968 steht über die Schulschrift von 1958 in derselben lateinischen Traditionslinie.
- FrakturDie Fraktur verlor im selben Zusammenhang (Bormann-Rundschreiben vom 3. Januar 1941) ihre Stellung als Druckschrift.