Textura

Schriftgattung · Gotische Buchschriften des Mittelalters · ca. 12. bis 16. Jahrhundert · Streng, monumental

Die Textura ist die strengste und feierlichste Form der gotischen Buchschrift. Der Name kommt vom lateinischen Wort für „Gewebe“ und spielt auf das dichte, gitterartige Bild einer beschriebenen Seite an; ältere deutsche Bücher nennen sie auch „Gitterschrift“. Sie entwickelte sich im 12. Jahrhundert aus der karolingischen Minuskel, ihre Blütezeit lag im 14. und 15. Jahrhundert.

Kennzeichnend sind schmale, hohe Buchstaben mit gleichförmigen senkrechten Schäften, deren Enden zu kleinen, auf die Spitze gestellten Vierecken brechen. Ober- und Unterlängen sind kurz, Bögen benachbarter Buchstaben verschmelzen, und das a hat zwei Stockwerke. Das Ergebnis wirkt sehr gleichmäßig und dekorativ, ist aber schwer lesbar, weil i, m, n und u kaum zu unterscheiden sind.

Die Textura war die bevorzugte Schrift für Bibeln, Messbücher und andere liturgische Werke. Deshalb wählte Johannes Gutenberg sie für seine 42-zeilige Bibel, die um 1452–1454 in Mainz entstand. Dafür goss er rund 290 verschiedene Lettern, darunter viele Ligaturen und Abkürzungen, um das Bild einer Handschrift nachzuahmen.

Im 15. Jahrhundert gaben Schreiber die Textura nach und nach zugunsten schnellerer Schriften auf. Im deutschen Buchdruck hielt sie sich bis ins 16. Jahrhundert für liturgische Bücher und als Titelschrift; in England und den Niederlanden blieb sie besonders lange beliebt. Bis heute gilt sie vielen als Inbegriff der „mittelalterlichen“ Schrift.

  • Schmale, senkrechte Schäfte
  • Rautenförmig gebrochene Enden
  • n, u, m und i leicht verwechselbar

Alphabet

Kleinbuchstaben

  • a
  • b
  • c
  • d
  • e
  • f
  • g
  • h
  • i
  • j
  • k
  • l
  • m
  • n
  • o
  • p
  • q
  • r
  • s
  • t
  • u
  • v
  • w
  • x
  • y
  • z

Großbuchstaben

  • A
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  • N
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  • P
  • Q
  • R
  • S
  • T
  • U
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  • W
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  • Y
  • Z

Umlaute und Sonderzeichen

  • ä
  • ö
  • ü
  • Ä
  • Ö
  • Ü
  • ß
  • langes s

Satzzeichen

  • .
  • ,
  • ;
  • :
  • !
  • ?
  • „
  • “
  • ‚
  • ‘
  • »
  • «
  • (
  • )
  • -
  • –
  • '
  • &
  • §
  • *
  • /

Ziffern

  • 0
  • 1
  • 2
  • 3
  • 4
  • 5
  • 6
  • 7
  • 8
  • 9

Ligaturen

  • ch
  • ck
  • tz
  • ſt
  • ſſ
  • ſch
  • ff
  • fi
  • fl
  • ft
  • tt
  • ll

Wörter im Vergleich

BuchBuBuchBu
GebetGebetGebetGebet
MinneMinneMinneMinne
LichtLitLichtLit

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Textura übenWie Gutenberg druckte

Verwandte Schriften

  • Gotische MinuskelDie Textura ist deren formalste Ausprägung.
  • RotundaDie rundere, südeuropäische Schwesterform.
  • SchwabacherLöste die Textura im späten 15. Jahrhundert für deutschsprachige Texte weitgehend ab.
  • FrakturVerdrängte die Textura im deutschen Buchdruck endgültig.

Digitale Schriftdateien

  • Hand Textur – Peter Wiegel. SIL Open Font License 1.1 / GPL mit Font-Ausnahme. Bezugsquelle
  • Gutenberg Textura – Dieter Steffmann. 1001Fonts Free For Commercial Use License (FFC). Bezugsquelle
  • Manuskript Gothisch – Peter Wiegel. SIL Open Font License 1.1 / GPL mit Font-Ausnahme. Bezugsquelle
  • Die Fonts sind Neuzeichnungen nach Vorlagen des 20. Jahrhunderts, keine Nachbildung der Gutenberg-Type.
  • Textura und Textualis werden in der Fachliteratur nicht einheitlich abgegrenzt.
  • Zahl der Lettern: „290“ (Gutenberg-Museum) bzw. „etwa 300“; Druckzeit 1452–1454 bzw. um 1454/55.

Quellen

  1. Kapr, Albert: Fraktur. Form und Geschichte der gebrochenen Schriften. Mainz: Hermann Schmidt, 1993.
  2. Bain, Peter; Shaw, Paul (Hrsg.): Blackletter: Type and National Identity. New York: Princeton Architectural Press, 1998.
  3. Gutenberg-Museum Mainz – Museum für Buch-, Druck- und Schriftgeschichte. Link

Weitere Quellen der Recherche