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Schwierige deutsche Wörter: Warum Eichhörnchen so schwer ist

Für Deutschlernende sind vor allem Wörter schwer, in denen mehrere Hürden zusammenkommen: der Ich-Laut, die Umlaute ü und ö, das R, lange Konsonantenfolgen und sehr lange Zusammensetzungen. Bekannte Beispiele sind Eichhörnchen, Streichholzschächtelchen und Quietscheentchen.

Welche deutschen Wörter gelten als besonders schwer?

Eine wissenschaftliche Rangliste der schwierigsten deutschen Wörter gibt es nicht. Häufig zitiert wird eine Liste der Sprachlernplattform Babbel, über die 2015 unter anderem Heidelberg24 berichtete. Sie nennt acht Wörter, die vor allem bei der Aussprache Probleme bereiten:

  • Brötchen: ö, R und ch in einem Wort, nach der Liste „gleich drei Hürden“.
  • Rührei
  • Schleswig-Holstein: mehrere sch- und st-Verbindungen.
  • Eichhörnchen
  • Quietscheentchen
  • Streichholzschächtelchen: nach der Liste leichter, wenn man es in seine Teile zerlegt.
  • Fünfhundertfünfundfünfzig
  • Schlittschuhlaufen

Die Liste ist eine Einschätzung, keine Messung. Sie zeigt aber, welche Laute immer wieder genannt werden. Die folgenden Abschnitte erklären diese Laute mit Angaben aus der Phonetik für Deutsch als Fremdsprache und mit der Lautschrift des Digitalen Wörterbuchs der deutschen Sprache (DWDS).

Ich-Laut und Ach-Laut: Warum das ch Probleme macht

Die Buchstabenfolge ch steht im Deutschen für zwei verschiedene Laute. Der Ich-Laut [ç] wird am harten Gaumen gebildet, der Ach-Laut [x] weiter hinten am weichen Gaumen. Beide sind Reibelaute. Nach Hirschfeld und Reinke kennen viele Sprachen nur einen der beiden, meist den Ach-Laut.

Welcher Laut steht, hängt vom Laut davor ab. Die Phonologin Caroline Féry beschreibt die beiden als AllophoneAllophone: Lautvarianten eines Phonems, die je nach Umgebung auftreten und keinen Bedeutungsunterschied machen. eines Phonems: [x] steht nach hinteren Vokalen, [ç] in allen anderen Umgebungen.

LautSteht nach …Beispiele
Ach-Laut [x]a, o, u, auBach, Loch, Buch, auch
Ich-Laut [ç]e, i, ä, ö, ü, ei/ai, eu/äu sowie l, n, rich, Bächlein, Bücher, leicht, Milch, manchmal, Kirche
Ich-Laut [ç]in der Endung -chenMädchen, Brötchen
Ich-Laut [ç], auch [k] zulässigin der Endung -igKönig, wenig

Hirschfeld und Reinke nennen zwei typische Verwechslungen. Der Ich-Laut wird mit dem sch verwechselt, was die Bedeutung ändert: Kirche und Kirsche. Der Ach-Laut wird mit k verwechselt: Nacht [naχt] und nackt [nakt]. Der Ach-Laut ist kein Verschlusslaut, die Zunge schließt nicht vollständig ab.

Übungshilfe aus der Phonetikdidaktik

Für den Ich-Laut empfehlen die Autorinnen, ein j zu flüstern, also ohne Stimme und mit mehr Spannung. Der Ach-Laut lasse sich über ein leichtes Schnarchgeräusch anbahnen.

Eichhörnchen, Brötchen und Streichholzschächtelchen

Eichhörnchen gilt als Paradebeispiel. Das DWDS gibt die Aussprache [ˈaɪ̯çhœʁnçən] an. Auf den Zwielaut ei folgt ein Ich-Laut, unmittelbar danach ein gehauchtes h, dann ein ö, ein R, ein n und ein zweiter Ich-Laut in der Endung -chen. Wer das ch nach ei als Ach-Laut spricht oder das h auslässt, verändert das Wort hörbar.

Zur Herkunft nennt das DWDS althochdeutsch eihhurno oder eihhorno aus dem 11. Jahrhundert. Der zweite Teil wurde an Horn angelehnt, sein Ursprung ist unsicher. Ob der erste Teil mit Eiche zusammenhängt, ist offen; das DWDS nennt diese Verbindung „vielleicht sekundär“. Die Verkleinerungsform Eichhörnchen ist seit der Mitte des 17. Jahrhunderts belegt und hat das ältere Eichhorn weitgehend verdrängt.

Brötchen [ˈbʀøːtçən] vereint langes ö, R und Ich-Laut. Streichholzschächtelchen ist die Verkleinerung von Streichholzschachtel. Das DWDS führt es nur als maschinell erzeugten Eintrag ohne Lautschrift. Nach den Regeln oben enthält es drei Ich-Laute: nach ei in Streich-, nach ä in -schäch- und in -chen. Für Streichholz gibt das DWDS [ˈʃtʀaɪ̯çhɔlʦ] an. Auch hier folgt auf den Ich-Laut ein h, danach die Folge [lʦ] und gleich wieder ein sch.

Ü und Ö richtig aussprechen

Ü und ö sind nach Hirschfeld und Reinke gerundete Vorderzungenvokalegerundete Vorderzungenvokale: Vokale, bei denen der vordere Zungenrücken angehoben ist und die Lippen zugleich gerundet sind.: Die Zunge liegt vorn wie bei i und e, die Lippen sind gerundet und vorgestülpt. Viele Sprachen haben diese Laute nicht. Lernende ersetzen sie deshalb oft durch ähnliche Vokale. Fehlt die Lippenrundung, wird aus ö ein e und aus ü ein i. Wird die Zunge hinten angehoben, wird aus ö ein o und aus ü ein u. Weil die Wörter dann etwas anderes bedeuten, ist der Fehler mehr als ein Akzent.

FehlerGemeintGehört
Lippen nicht gerundetkönnen, lösenkennen, lesen
Lippen nicht gerundetküssen, BühneKissen, Biene
Zunge zu weit hintenTöchter, schönTochter, schon
Zunge zu weit hintenMütter, BrüderMutter, Bruder

Als Übung schlagen die Autorinnen vor, ein langes i oder e zu sprechen und währenddessen die Lippen zu runden: „Iiiüüü“ und „Eeeööö“. Dazu kommt der Unterschied zwischen langen und kurzen Umlauten, etwa in Bühne und küssen. Mehr zur Schreibung der Umlaute steht im Beitrag über Umlaute.

Das R und der Knacklaut: Rührei und Quietscheentchen

Das deutsche R hat mehrere Formen. Hirschfeld und Reinke unterscheiden ein konsonantisches R, etwa in rot und Brot, und ein vokalisiertes R, das dem unbetonten Murmelvokal ähnelt. Beide Formen richtig zu verteilen, ist für viele Lernende schwer. Das DWDS schreibt Rührei als [ˈʀyːɐ̯ʔaɪ̯]: R, langes ü, vokalisiertes R, dann ein Knacklaut [ʔ] vor ei.

Der KnacklautKnacklaut: Kurzer Verschluss der Stimmritze vor einem Vokal am Wort- oder Silbenanfang, Fachwort Glottisplosiv. trennt im Deutschen Silben, die mit einem Vokal beginnen. Nach Hirschfeld und Reinke gibt es ihn in den meisten Sprachen in dieser Funktion nicht. Fehlt er, kann ein anderes Wort entstehen: beim Essen klingt dann wie beim Messen, Berlin erleben wie Berliner Leben. Das DWDS zeigt den Knacklaut auch in Spiegelei [ˈʃpiːgl̩ˌʔaɪ̯]: Es ist ein Spiegel-Ei, keine Spie-gelei.

Im Quietscheentchen stoßen zwei e zusammen: das unbetonte e am Ende von Quietsche- und das e am Anfang von -entchen. Das DWDS gibt für dieses Wort keine Umschrift an. Nach der Regel zum Vokalneueinsatz beginnt der zweite Teil mit Knacklaut. Davor stehen das tsch und danach der Ich-Laut in -chen.

Konsonantenhäufungen: Herbststurm und Angstschweiß

Sprachen unterscheiden sich darin, wie Silben gebaut sein dürfen; Hirschfeld und Reinke nennen den Silbenbau deshalb als Quelle von Lernschwierigkeiten. Im Deutschen können sich Konsonanten stark häufen, besonders an den Fugen zusammengesetzter Wörter. Wichtig ist der Unterschied zwischen Buchstaben und Lauten: sch ist ein Laut, ng ebenfalls.

WortLautschrift (DWDS)Konsonanten in Folge
Angstschweiß[ˈaŋstʃvaɪ̯s]8 Buchstaben (ngstschw), 5 Laute: ŋ s t ʃ v
HerbststurmHerbst [hɛʁpst] + Sturm [ʃtʊʁm]6 Buchstaben (rbstst), 6 Laute: ʁ p s t ʃ t
Pfropfen[ˈpfʀɔpfn̩]pf und r am Anfang, pf in der Mitte
Zwetschge[ˈʦvɛʧgə]zw als [ʦv], tsch als [ʧ], dazu g

Die Zählung für Herbststurm ergibt sich aus der Verbindung der beiden DWDS-Umschriften. Das b in Herbst wird als [p] gesprochen. Dahinter steht die AuslautverhärtungAuslautverhärtung: Stimmhafte Verschluss- und Reibelaute werden am Silbenende stimmlos gesprochen, etwa b als p.: Am Silbenende werden b, d und g als p, t und k gesprochen, wie Féry an Korb und Kind zeigt. Auch Hamburg spricht man nach dem DWDS [ˈhambʊʁk]. Wer nach der Schrift spricht, liegt hier falsch.

Lange Wörter und Zahlen

Lange Zusammensetzungen sind nicht unbedingt schwer auszusprechen, aber schwer zu überblicken. Die Babbel-Liste rät, Wörter wie Streichholzschächtelchen in ihre Bestandteile zu zerlegen: Streich-holz-schächtel-chen. Wie solche Wörter gebildet werden, erklärt der Beitrag über Komposita.

Ein Sonderfall sind Zahlwörter. Nach dem Duden schreibt man ausgeschriebene Zahlen zusammen, „sofern sie unter einer Million liegen“. So entsteht fünfhundertfünfundfünfzig als ein Wort. Dazu kommt die Reihenfolge: Bei zweistelligen Zahlen nennt das Deutsche die Einer vor den Zehnern, fünf-und-fünfzig.

Wortakzent und trennbare Verben

Der Wortakzent liegt im Deutschen nach Hirschfeld und Reinke nicht auf einer festen Silbe. Es gibt eine Tendenz zur Betonung am Wortanfang, aber viele Regeln. Lernende aus Sprachen mit festem Akzent, etwa Polnisch, Ungarisch oder Französisch, müssen das gezielt üben. Zudem ist der Unterschied zwischen betonten und unbetonten Silben im Deutschen besonders deutlich.

Bei Verben mit Vorsilbe hängt die Betonung damit zusammen, ob sich die Vorsilbe abtrennt. Trennbare Verben werden auf der Vorsilbe betont (einkaufen, abfahren), untrennbare auf dem Stamm (verkaufen, erfahren). Manche Verben gibt es in beiden Formen. Das DWDS führt für umfahren zwei Betonungen, [ˈʊmfaːʀən] und [ʊmˈfaːʀən], und zwei Formenreihen: „fährt um, umgefahren“ für „im Fahren zu Boden werfen“ und „umfährt, umfahren“ für „um etwas herumfahren“. Wie trennbare Verben den Satz auseinanderziehen, zeigt der Beitrag Warum das Verb am Satzende steht.

Der, die, das: Genus als Lernhürde

Nicht nur die Aussprache macht Wörter schwer, sondern auch ihr grammatisches Geschlecht. Ganz zufällig ist es nicht. Ein Beitrag von SRF zeigt mit einer Darstellung der Sprachwissenschaftler Köpke und Zubin, dass Regeln unterschiedlich stark wirken. Substantive auf unbetontes -e sind meist weiblich, Wörter mit Ge- und -e meist sächlich. Manche Ausnahmen wie der Käse muss man auswendig lernen.

Die Endungen -chen und -lein machen ein Wort sächlich. Deshalb heißt es das Eichhörnchen, das Brötchen und das Mädchen, obwohl ein Mädchen weiblich ist. Mehr dazu im Beitrag über der, die, das. Wer ähnlich schwierige Laute spielerisch üben will, findet Beispiele bei den Zungenbrechern.

Häufige Fragen

Welches deutsche Wort ist am schwersten auszusprechen?
Eine verbindliche Rangliste gibt es nicht. Häufig genannt werden Eichhörnchen, Streichholzschächtelchen, Quietscheentchen und Brötchen, etwa in einer Liste der Sprachlernplattform Babbel von 2015.
Wann spricht man ch als Ich-Laut und wann als Ach-Laut?
Der Ach-Laut steht nach a, o, u und au, etwa in Bach, Loch, Buch und auch. Der Ich-Laut steht nach den übrigen Vokalen, nach l, n und r sowie in der Endung -chen, etwa in ich, Milch und Mädchen.
Wie spricht man ü und ö aus?
Die Zunge liegt wie bei i und e, die Lippen sind gerundet und vorgestülpt. Eine verbreitete Übung: ein langes i sprechen und dabei die Lippen runden, dann entsteht ü.
Wie spricht man Eichhörnchen aus?
Das DWDS gibt die Aussprache [ˈaɪ̯çhœʁnçən] an. Das Wort enthält zweimal den Ich-Laut, ein gehauchtes h direkt danach und ein ö.
Warum ist es das Mädchen und nicht die Mädchen?
Substantive auf -chen und -lein sind im Deutschen sächlich. Diese Regel ist stärker als die natürliche Geschlechtszuordnung, deshalb heißt es das Mädchen.
Wie viele Konsonanten stehen in Angstschweiß hintereinander?
Geschrieben acht Konsonantenbuchstaben: ngstschw. Gesprochen sind es nach der DWDS-Umschrift [ˈaŋstʃvaɪ̯s] fünf Konsonantenlaute: [ŋ], [s], [t], [ʃ] und [v].

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