Bastarda
Schriftgattung · Gotische Buchschriften des Mittelalters · 14. und 15. Jahrhundert · Lebendig, ausdrucksstark
Urkunde Siegel
„Bastarda“ ist ein Sammelname für spätmittelalterliche Schriften zwischen der feierlichen gotischen Buchschrift und der schnellen Geschäfts- und Kanzleischrift. Der Name bedeutet „Mischling“, im Französischen heißt sie „lettre bâtarde“. Weil es so viele regionale Spielarten gibt, sprechen Fachleute oft von „den Bastarden“.
Ihre Wurzeln liegen in den Kanzleien des 14. Jahrhunderts, etwa an der päpstlichen Kurie in Avignon und in der Prager Kanzlei Kaiser Karls IV. Seit dem späten 14. Jahrhundert wurde sie auch für Bücher verwendet, im 15. Jahrhundert war sie die häufigste Schrift überhaupt. Besonders prächtig ist die burgundische „lettre bourguignonne“ am Hof der Herzöge Philipp der Gute und Karl der Kühne.
Typisch sind ein einstöckiges a sowie f und langes s, die unter die Grundlinie reichen; bei vielen Formen tragen b, d, h und l Schleifen an den Oberlängen. Die Bastarda verbindet die Brechungen der Textura mit dem Schwung einer Kursive, ist schneller zu schreiben und war besonders beliebt für Texte in den Volkssprachen.
Auch im Buchdruck spielte sie eine große Rolle, etwa in Frankreich und bei William Caxton in England. In Deutschland ging aus ihr die Schwabacher hervor, und auch die Fraktur gilt als Weiterentwicklung der eleganten Kanzleibastarda am Hof Kaiser Maximilians I.
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Umlaute und Sonderzeichen
- ä
- ö
- ü
- Ä
- Ö
- Ü
- ß
- langes s
Satzzeichen
- .
- ,
- ;
- :
- !
- ?
- “
- ‘
- (
- )
- -
- –
- &
Ziffern
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- 7
- 8
- 9
Ligaturen
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- TexturaDie formale Buchschrift ist eine der beiden „Elternschriften“ der Bastarda.
- SchwabacherSie verbindet Bastarda-Formen mit Elementen der Rotunda.
- FrakturSie geht auf die Kanzleibastarda zurück, die am Hof Maximilians I. zur Druckschrift wurde.
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