Sütterlin

Handschrift · Schulschriften · 1910/11 entworfen, 1915–1941 im Unterricht · Vereinfachte Schulschrift

Die Sütterlinschrift geht auf den Grafiker und Schriftgestalter Ludwig Sütterlin zurück. Er wurde 1865 in Lahr in Baden geboren und starb 1917 in Berlin. Im Auftrag des preußischen Kultusministeriums schuf er eine Ausgangsschrift für den Schulanfang. Kinder sollten mit ihr leichter schreiben lernen und später daraus eine eigene Handschrift entwickeln. Die Neue Deutsche Biographie berichtet, dass Sütterlin seine Entwürfe 1910 dem Ministerium vorlegte. In mehrjährigen Schulversuchen entstanden daraus 1914 zwei „Normalalphabete“, eine deutsche und eine lateinische Fassung.

Ab 1915 wurde die Schrift in Preußen eingeführt und setzte sich in den 1920er Jahren an Grund- und Handelsschulen durch. Andere deutsche Länder übernahmen sie ebenfalls. 1935 wurde eine abgewandelte Fassung als „Deutsche Volksschrift“ offizielle Schulschrift. Sie war leicht nach rechts geneigt, ansonsten aber Sütterlin sehr ähnlich. Mit dem Erlass vom 1. September 1941 endete der Unterricht in deutscher Schreibschrift. Danach galt die lateinische „Deutsche Normalschrift“.

Sütterlin räumte gegenüber der Kurrent kräftig auf. Er strich Schnörkel, stellte die Buchstaben aufrecht und machte sie breiter. Ober- und Unterlängen wurden kürzer. Dazu passte eine gleichmäßig breit schreibende Rundfeder. Damit sieht der Strich fast überall gleich dick aus, ganz anders als bei der Spitzfeder der Kurrent.

Die Buchstaben selbst sind im Grunde dieselben wie in der Kurrent. Das e ähnelt dem n, das u trägt einen Bogen, und es gibt ein langes und ein rundes s. Wer Sütterlin lesen kann, kommt deshalb auch mit der Kurrent gut zurecht. Weil die Schrift aufrecht und klar gebaut ist, gilt sie als guter Einstieg. Viele Familienbriefe aus der ersten Hälfte des 20. Jahrhunderts sind in Sütterlin oder einer Mischform geschrieben.

Umgangssprachlich wird „Sütterlin“ oft für jede alte deutsche Handschrift gebraucht. Genau genommen meint der Name aber nur diese Schulschrift aus dem 20. Jahrhundert. Eine ältere Handschrift, etwa aus dem 19. Jahrhundert, ist Kurrent und keine Sütterlin.

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Verwandte Schriften

  • Deutsche KurrentDie ältere deutsche Schreibschrift, die Sütterlin vereinfachte und in den Schulen ablöste.
  • Deutsche NormalschriftLöste die Sütterlinschrift 1941 ab und beruht nach mehreren Quellen auf Sütterlins lateinischem Alphabet.
  • Kurrent des 18. JahrhundertsDie verzierte Vorform derselben Schrifttradition – der Vergleich zeigt, wie stark Sütterlin vereinfacht hat.