Kurrent des 18. Jahrhunderts
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Taufe Kirchenbuch
Im 18. Jahrhundert war die Kurrent im deutschen Sprachraum längst die übliche Alltags- und Geschäftsschrift. Eine einheitliche Form hatte sie aber nicht: Archivfachleute beschreiben, dass sie sich im 17. und 18. Jahrhundert in vielen verschiedenen Formen weiterentwickelte. Mit der Zeit wurden die Buchstaben höher und neigten sich immer stärker nach rechts.
Gelernt wurde das Schreiben bei Schreibmeistern. Das waren in den Städten berufsmäßige Schreiblehrer, und in Nürnberg waren sie sogar fast wie eine Zunft organisiert. Ihre Musterbücher, zuerst als Holzschnitt und später als Kupferstich gedruckt, hatten ihre Blütezeit von der zweiten Hälfte des 16. bis ins 18. Jahrhundert. Darin wurden meist drei „deutsche“ Schriften gezeigt, die eine feste Rangfolge hatten: Fraktur und Kanzleischrift dienten als Auszeichnungsschriften, die Kurrent war die eigentliche Textschrift. Ein Schriftstück begann deshalb oft mit einer Zeile in Fraktur, ging dann in die Kanzleischrift über und wurde in Kurrent fortgesetzt.
Ein bekanntes Beispiel ist die „Calligraphia Regia“, die der Berliner Lehrer Hilmar Curas 1714 veröffentlichte. Nach verbreiteter Darstellung soll eine preußische Normschrift für die Schulen auf ihn zurückgehen – spitz, nach rechts geneigt und mit kaum Rundungen. Auch Schulen wie das Hallesche Waisenhaus gaben gedruckte Kupfervorlagen heraus. Dort schrieben die Schüler zum Beispiel Sprüche ab, deren erste Zeile in Kanzleischrift und deren Rest in Kurrent stand.
Von der späteren Kurrent des 19. Jahrhunderts unterscheidet sich die ältere Form vor allem durch das Schreibwerkzeug. Geschrieben wurde mit dem Federkiel, und der Strich wurde je nach Richtung dicker oder dünner. Erst die Stahlfeder des 19. Jahrhunderts brachte die stark geneigte Schrift mit an- und abschwellenden Linien hervor. Die Großbuchstaben waren im Barock und Rokoko oft prächtig verschnörkelt, gegen Ende des 17. Jahrhunderts kamen daneben aber schon einfachere Formen auf.
Lesetipp: Achte auf den Wechsel zwischen den Schriften. Eigennamen, Fremdwörter und lateinische Zitate stehen oft in lateinischer Schrift, die deutschen Endungen manchmal aber wieder in Kurrent. Verzierte Großbuchstaben gleichst du am besten zuerst mit einer Schrifttafel ab. Und weil es noch keine einheitliche Rechtschreibung gab, kann ein Wort im selben Text verschieden geschrieben sein.
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