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Familiennamen: Herkunft und Bedeutung deutscher Nachnamen
Deutsche Familiennamen entstanden zwischen dem 12. und dem 16. Jahrhundert aus Beinamen. Sie gehen auf fünf Motive zurück: den Rufnamen des Vaters, die Herkunft, die Wohnstätte, den Beruf oder eine Eigenschaft. Die häufigsten Namen in Deutschland sind Berufsnamen, allen voran Müller.
Seit wann gibt es Familiennamen?
Lange trugen die Menschen nur einen Namen, den Rufnamen. Die Zweinamigkeit hatte nach Angaben der Universität Mainz ihren Ursprung im 9. Jahrhundert in Venedig. Im deutschen Sprachraum begann sie im 12. Jahrhundert in einigen süd- und westdeutschen Städten. Die Städte wuchsen, und viele Menschen hatten denselben Rufnamen. Beinamen wie „Giselher genannt Müller“ halfen, sie zu unterscheiden.
Wurden solche BeinamenBeinamen: Zusatz zum Rufnamen, der eine Person näher kennzeichnet, etwa nach Beruf oder Herkunft; noch nicht erblich. an die Kinder weitergegeben, wurden sie zu Familiennamen. Dieser Übergang fand nach der Union der Akademien „vorwiegend zwischen dem 13. bis 16. Jahrhundert“ statt. Namenforscher gehen davon aus, dass die Familiennamen um 1500 weitgehend fixiert waren.
Amtlich festgeschrieben wurden die Namen erst mit den Standesämtern im 19. Jahrhundert. Im ganzen Deutschen Reich beurkunden seit dem 1. Januar 1876 staatliche Standesbeamte Geburten, Ehen und Sterbefälle. Für die Zeit davor sind Kirchenbücher die wichtigste Quelle; wie man sie liest, steht im Beitrag Kirchenbücher lesen.
Die fünf Gruppen der Familiennamen
Die Namenforschung ordnet Familiennamen nach dem Motiv, aus dem der Beiname entstand. Die Beispiele in der Tabelle stammen aus dem Deutschen Familiennamenatlas und den Pressemitteilungen der Universitäten Freiburg und Mainz.
| Gruppe | Motiv | Beispiele |
|---|---|---|
| Rufnamen (Patronyme) | Rufname des Vaters, oft mit Sohn oder Verkleinerung | Jansen, Jahn, Hensel, Hannemann; Petersen, Peters, Peter |
| Herkunftsnamen | Herkunft von Zugezogenen | Unger, Westphal, Schwöble, Cölner |
| Wohnstättennamen | Lage oder Art der Wohnstätte | Bühler, Pichler, Terlinden, Angenendt |
| Berufsnamen | Beruf, Stand oder Amt | Müller, Schneider, Fiedler, Geiger, Beck, Pfister |
| Übernamen | Körperliche oder charakterliche Merkmale | Klein, Groß, Weiß, Roth, Krause, Still, Schlemmer |
Patronyme sind besonders vielfältig. Allein auf den Rufnamen Nikolaus gehen nach der Namenforscherin Kathrin Dräger mehrere Tausend Familiennamen zurück. Übernamen beschreiben laut Dräger alles „vom Körperumfang über die Gangart bis zu Trink- oder Schlafgewohnheiten“. Weiß, Roth und Kraus gehen auf Haarfarbe oder Haarbeschaffenheit zurück, Schlemmer auf jemanden, der viel aß.
Berufsnamen lassen sich oft regional vergleichen. Ob jemand Bäcker, Beck, Pfister oder Pistor heißt, hängt nach dem fünften Band des Familiennamenatlas von der Region ab, ebenso bei Sägemüller und Schreiner. Dieser Band zeigt auf 419 Karten, wie die häufigsten Berufs- und Übernamen verteilt sind. Weil diese Namen auf Wörter der gesprochenen Sprache des späten Mittelalters zurückgehen, nennen die Herausgeber ihn ein Grundlagenwerk für die Sprachgeschichte.
Die häufigsten Familiennamen in Deutschland
Grundlage der heutigen Forschung sind rund 28 Millionen Festnetzanschlüsse der Deutschen Telekom aus dem Jahr 2005. Damals hatten 92 Prozent der Haushalte einen Anschluss. Daraus ergeben sich rund 850.000 verschiedene Familiennamen. Nach dem Digitalen Familiennamenwörterbuch Deutschlands (DFD) führen diese Namen die Rangliste an:
| Rang | Name | Herkunft |
|---|---|---|
| 1 | Müller | Beruf: der Müller, der Getreide mahlt |
| 2 | Schmidt | Beruf: der Schmied, der Metall verarbeitet |
| 3 | Schneider | Beruf: der Schneider |
| 4 | Fischer | Beruf: der Fischer |
| 5 | Weber | Beruf: der Weber, der Stoffe herstellt |
| 6 | Meyer | Stand: der Meier, ein Oberbauer |
| unter den ersten 10 | Wagner | Beruf: der Wagenmacher |
| unter den ersten 10 | Becker | Berufsname |
| unter den ersten 10 | Schulz | Amt: der Schultheiß |
| unter den ersten 10 | Hoffmann | Stand: an einen Hof gebundener Bauer oder Hofbediensteter |
Die Plätze 1 bis 6 nennt die Süddeutsche Zeitung 2016 nach dem DFD; Platz 6 für Meyer bestätigt die Gesellschaft für deutsche Sprache. Wagner, Becker, Schulz und Hoffmann zählt der Belgische Rundfunk zu den zehn häufigsten Namen im deutschen Sprachraum, ohne genaue Plätze. Nach Kathrin Dräger sind die 14 häufigsten Familiennamen in Deutschland „allesamt Familiennamen aus Berufsbezeichnungen“.
Wer Schreibvarianten zusammenzählt, kommt zu anderen Ergebnissen. Schmidt, Schmitt, Schmid und Schmitz gehen auf denselben Beruf zurück, ebenso Meyer, Meier, Maier und Mayer. Zusammengenommen rückt die Meier-Gruppe deshalb in manchen Listen weiter nach vorn.
Woher die Zahlen stammen
Für die Namenforschung ist das Telefonbuch von 2005 eine besondere Quelle. Nübling und Schmuck nennen drei Gründe: Es erlaubte erstmals den digitalen Zugriff auf den gesamten Namenbestand; vorher wurden Telefonbücher von Hand ausgewertet. Ostdeutschland hatte 2005 gerade die Anschlussdichte des Westens erreicht. Und Mobiltelefone hatten noch nicht zur massenhaften Kündigung von Festnetzanschlüssen geführt.
Die Daten enthalten nur den Familiennamen und die fünfstellige Postleitzahl. Geschäftsanschlüsse, Krankenhäuser und Feuerwehren wurden herausgefiltert, damit keine Namen doppelt zählen. Bis 2014 hatte sich die Zahl der Telekom-Anschlüsse halbiert; heute haben nach Angaben der Universität Mainz weniger als 60 Prozent der Haushalte einen Festnetzanschluss. Die Forschung bleibt deshalb bewusst beim Stand von 2005. Gezählt werden Anschlüsse, nicht Personen. Die Zahlen zeigen daher die Verteilung der Namen, nicht die genaue Zahl ihrer Träger.
Meier, Meyer, Maier, Mayer: regionale Schreibungen
Hinter Meier steckt ein Berufsname. Der Meier war im Mittelalter nach der Gesellschaft für deutsche Sprache ein Oberbauer, der im Auftrag eines Grundherrn die Bewirtschaftung eines Guts beaufsichtigte. Seit dem späten Mittelalter bezeichnete das Wort auch einen freien Bauern, der einen Hof gepachtet hatte. Einzelne Namen dieser Form haben eine andere Herkunft.
Die Schreibungen verteilen sich deutlich nach Regionen. Meier und Meyer kommen in ganz Deutschland vor, häufen sich aber im Norden. Maier und Mayer sind vor allem in Baden-Württemberg und Bayern verbreitet. In der Rangliste steht Meyer auf Platz 6, Meier auf Platz 30, Maier auf Platz 34. Weitere Varianten sind Meyr und Mayr.
Der Deutsche Familiennamenatlas hat solche Variantenreihen systematisch kartiert, etwa Meier/Meyer/Maier/Mayer und Schmidt/Schmitt/Schmid/Schmied/Schmitz. Seine ersten beiden Bände zeigen rund 20.000 Namen auf über 750 Farbkarten.
Warum Familiennamen regional verschieden sind
Familiennamen bewahren die Sprache des späten Mittelalters, auch ihre Dialekte. Weil die Bevölkerung seither wenig mobil war, kommen die Namen nach Angaben der Universität Mainz zu 85 Prozent noch heute dort vor, wo sie entstanden sind. Ihre Verbreitung zeigt deshalb alte Sprachgrenzen.
- Verschiedene Wörter für denselben Beruf: Schneider und Schröder, Tischler und Schreiner, Binder und Küfer, Metzger, Fleischer und Knochenhauer. Ein Geigenspieler hieß im Norden Fiedler, im Süden Geiger.
- Lautliche Unterschiede: Pfeiffer, Peifer und Pieper zeigen die Grenzen der zweiten Lautverschiebung. Müller, Möller und Miller zeigen historische Vokalunterschiede.
- Patronyme: Im Norden stehen Petersen und Petersson, in der Mitte und im Westen Peters, weiter südlich die bloße Form Peter.
- Typische Endungen: Schäuble mit der Verkleinerung -le ist südwestdeutsch, Radloff nordostdeutsch.
Zwischen Schmid, Schmitt und Schmitz verlaufen nach Damaris Nübling und Mirjam Schmuck scharfe Grenzen, die es nicht gäbe, wenn die Namenträger weit gewandert wären. Der Name Richter (Dorfvorsteher) häuft sich in absoluten Zahlen in Berlin. Bezogen auf alle Namen eines Gebiets liegt sein Schwerpunkt aber im Osten, vor allem in Sachsen. Mehr zu den Mundarten selbst im Beitrag über deutsche Dialekte.
Die Bedeutung des eigenen Namens finden
Das wichtigste Nachschlagewerk ist das Digitale Familiennamenwörterbuch Deutschlands (DFD). Es ist ein Projekt der Akademie der Wissenschaften und der Literatur Mainz und erklärt Bedeutung, Herkunft und Verbreitung. Nach Angaben der Akademienunion sind derzeit 59.321 Namenartikel veröffentlicht; bis zum Projektende 2035 sollen es rund 200.000 werden.
Daneben gibt es den Deutschen Familiennamenatlas. Er umfasst sieben Bände mit 2.245 Karten und wurde von 2005 bis 2015 von der Deutschen Forschungsgemeinschaft gefördert. Seit 2023 gibt es eine kleine Ausgabe mit fast 1.000 Karten.
Die naheliegende Deutung ist nicht immer die richtige. Der Name Eis etwa hat nach dem DFD nichts mit gefrorenem Wasser zu tun. Er ist eine Kurzform eines alten Rufnamens mit dem Bestandteil īsan („Eisen“), verwandt mit Eisenhardt und Eisoldt. Frost dagegen kann tatsächlich einen kalten, unfreundlichen Menschen bezeichnet haben oder jemanden, der leicht fror.
Häufige Fragen
- Seit wann gibt es Familiennamen in Deutschland?
- Die ersten Familiennamen entstanden im 12. Jahrhundert in einigen süd- und westdeutschen Städten. Die meisten bildeten sich zwischen dem 13. und 16. Jahrhundert; um 1500 waren sie weitgehend fest.
- Was ist der häufigste Nachname in Deutschland?
- Müller. Nach dem Digitalen Familiennamenwörterbuch Deutschlands folgen Schmidt, Schneider, Fischer, Weber und Meyer. Grundlage sind die Festnetzanschlüsse von 2005.
- Warum gibt es Meier, Meyer, Maier und Mayer?
- Es sind Schreibvarianten desselben Berufsnamens für einen Oberbauern. Meier und Meyer sind vor allem im Norden verbreitet, Maier und Mayer vor allem in Baden-Württemberg und Bayern.
- Wie viele Familiennamen gibt es in Deutschland?
- Die Universität Mainz nennt rund 850.000 verschiedene Familiennamen, dazu etwa 250.000 Doppelnamen mit Bindestrich, auf Grundlage der Telefonanschlüsse von 2005.
- Wo finde ich die Bedeutung meines Nachnamens?
- Im Digitalen Familiennamenwörterbuch Deutschlands (DFD) der Mainzer Akademie der Wissenschaften. Es erklärt Herkunft, Bedeutung und Verbreitung und wird bis 2035 ausgebaut.