Gotische Minuskel
Schriftgattung · Gotische Buchschriften des Mittelalters · ab dem 12. Jahrhundert · Mittelalterlich, kantig
minuskel schrift
„Gotische Minuskel“ ist der Oberbegriff für die gebrochenen Buchschriften des späten Mittelalters, in der Fachsprache auch Textualis genannt. Sie entwickelten sich ab dem 11. und 12. Jahrhundert aus der karolingischen Minuskel, zuerst im Norden Frankreichs und im Gebiet des heutigen Belgien. Dazwischen liegt eine oft „protogotisch“ genannte Übergangsstufe.
Das wichtigste Merkmal ist die Brechung: Runde Bögen werden durch eckige, abgeknickte Striche ersetzt, und die Schäfte knicken oben und unten ab. Die Buchstaben sind seitlich zusammengedrückt und eng gesetzt, einander zugewandte Bögen verschmelzen. Nach Rundungen wie bei o oder d steht ein r in Form einer 2. Weil i, m, n und u aus fast gleichen senkrechten Strichen bestehen, sind sie schwer auseinanderzuhalten.
Vom 13. bis ins 15. Jahrhundert war die gotische Minuskel in großen Teilen Europas die vorherrschende Buchschrift – für Bibeln, liturgische Bücher, wissenschaftliche Texte und Inschriften. Innerhalb der Gruppe gibt es sorgfältige Formen wie die Textura, im Süden die rundere Rotunda und, in Verbindung mit kursiven Geschäftsschriften, die Bastarden.
Mit dem Buchdruck wurde die gotische Minuskel Mitte des 15. Jahrhunderts zur ersten Druckschrift: Gutenbergs Bibel ist in einer Textura-Type gesetzt. In ihrer Tradition stehen später auch Schwabacher und Fraktur.
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