Dialekte und Varietäten · · 7 Minuten Lesezeit

Deutsch weltweit: Pennsylvania Dutch, Hunsrik und mehr

Deutsch wird nicht nur in Europa gesprochen. Auswanderer nahmen ihre Dialekte nach Nord- und Südamerika, nach Afrika und Australien mit. Daraus entstanden eigene Varietäten wie Pennsylvania Dutch, Hunsrückisch in Brasilien, Plautdietsch der Mennoniten und das Deutsch in Namibia.

Wie viele Menschen sprechen und lernen Deutsch?

Die verlässlichste weltweite Zahl betrifft die Lernenden. Das Auswärtige Amt erhebt sie alle fünf Jahre gemeinsam mit Partnerorganisationen wie dem Goethe-Institut. Die Erhebung von 2020 ergab:

  • Mehr als 15,4 Millionen Menschen lernen Deutsch als Fremdsprache.
  • Die meisten davon in Europa, rund 11,2 Millionen; das Land mit den meisten Lernenden ist Polen mit 1,95 Millionen.
  • In Afrika stieg die Zahl um fast 50 Prozent, in den USA sank sie um etwa 15 Prozent.

Wie viele Menschen Deutsch als Erstsprache sprechen, lässt sich weniger genau sagen. Eine amtliche Gesamtzahl gibt es nicht, und die Schätzungen gehen auseinander. Für die einzelnen Gemeinschaften außerhalb Europas liegen dagegen oft genauere Angaben vor.

Deutsche Varietäten außerhalb Europas im Überblick

VarietätLandHerkunftLage heute
Pennsylvania DutchUSA, Kanadaähnelt Dialekten der südöstlichen PfalzAlltagssprache der Amischen
Hunsrückisch (Hunsrik)BrasilienEinwanderer aus dem mittleren Westen Deutschlands ab 1824in mehreren Gemeinden kooffiziell
Deutsch in NamibiaNamibiaKolonialzeit 1884–1915 und spätere Zuwanderungrund 20.000 Sprecher, Nationalsprache
PlautdietschParaguay, Mexiko, Kanada u. a.Plattdeutsch der MennonitenMuttersprache in den Siedlungen
Texas GermanUSAEinwanderer ab den 1840er-Jahren8.000–10.000 ältere Sprecher, stark gefährdet
Deutsch im Barossa-TalAustralienLutheraner aus Preußen ab 1838keine verlässlichen Angaben

Pennsylvania Dutch in den USA

Trotz des Namens ist Pennsylvania Dutch kein Niederländisch. Das Young Center for Anabaptist and Pietist Studies nennt es „Pennsylvania German (popularly known as Pennsylvania Dutch)“. Nach dem Young Center for Anabaptist and Pietist Studies am Elizabethtown College ähnelt es am meisten den Dialekten der südöstlichen Pfalz in der Gegend um Mannheim.

Die größte Sprechergruppe sind die AmischenAmische: Eine täuferische Glaubensgemeinschaft in Nordamerika, die moderne Technik nur eingeschränkt nutzt.. Das Young Center zählte 2025 rund 404.600 Amische in 32 US-Bundesstaaten, dazu etwa 6.400 in Kanada und 105 in Bolivien, zusammen gut 411.000 Menschen einschließlich der Kinder. Untereinander sprechen sie Pennsylvania German; auch die Predigten im Gottesdienst werden darin gehalten. Englisch ist die Sprache der Schule und des Schreibens. Die meisten können die Bibel und andere religiöse Texte auf Hochdeutsch lesen.

Hunsrückisch in Brasilien

Im Süden Brasiliens sprechen Nachkommen deutscher Einwanderer Hunsrückisch, auch Hunsrik genannt. Nach dem Inventar von Cleo V. Altenhofen und Rosângela Morello (2018) geht es auf Einwanderer aus dem mittleren Westen Deutschlands zurück, die ab 1824 nach Brasilien kamen. Die Sprecher verbreiteten sich später über das ganze La-Plata-Becken und bis in den Nordosten Brasiliens. Das Inventar entstand im Rahmen des staatlichen Programms zur Erfassung der Sprachenvielfalt Brasiliens.

Kooffizielle Sprache in Gemeinden

In Brasilien können Gemeinden neben dem Portugiesischen weitere Sprachen zu kooffiziellenkooffiziell: Neben der Amtssprache zusätzlich als offizielle Sprache anerkannt, meist auf Gemeindeebene. Sprachen erklären. Das Repositorium für Sprachgesetzgebung des Instituts IPOL verzeichnet solche Gesetze für Hunsrückisch unter anderem in:

  • Antônio Carlos (Santa Catarina), Gesetz 132/2010
  • Ipumirim (Santa Catarina), Gesetz 1.868/2020
  • Barão (Rio Grande do Sul), Gesetz 2.451/2021
  • Ijuí (Rio Grande do Sul), Gesetz 7.421/2023, zusammen mit Polnisch und Talian
  • Horizontina (Rio Grande do Sul), Gesetz 4.217/2023
  • Santa Maria do Herval und Harmonia (Rio Grande do Sul), Gesetze von 2024 und 2025

Deutsch in Namibia

Deutsche Siedler kamen vor allem während der Kolonialzeit des damaligen Deutsch-Südwestafrika (1884–1915) in das Gebiet, einzelne Zuwanderer auch später. Nach dem Ersten Weltkrieg lösten Englisch und Afrikaans das Deutsche als Amtssprachen ab. Mit der Unabhängigkeit 1990 wurde Englisch alleinige Amtssprache. Deutsch gehört seither zu den anerkannten Nationalsprachen.

Die deutschsprachige Gemeinschaft umfasst nach dem Forschungsprojekt zum Korpus „Deutsch in Namibia“ etwa 20.000 Menschen. Sie gibt die Sprache an die Kinder weiter und verwendet sie in formellen wie informellen Situationen. Prägend ist der enge Kontakt mit Englisch und Afrikaans, schwächer auch mit Bantu- und Khoisansprachen. Untersucht wird diese Varietät unter anderem im Projekt „Namdeutsch“ der Humboldt-Universität zu Berlin. Das Variantenwörterbuch des Deutschen verzeichnet seit 2016 37 Wörter, die in der namibischen Standardsprache gelten.

Für die Forschung gibt es seit einigen Jahren das Korpus „Deutsch in Namibia“ (DNam), erarbeitet von der FU Berlin, der Humboldt-Universität, der University of Namibia und dem Institut für Deutsche Sprache in Mannheim. Es umfasst mehr als 200.000 Tokens und ist über die Datenbank für Gesprochenes Deutsch frei zugänglich. Ergänzt wird es durch ein Korpus mit Übersetzungen der Wenkersätze in namibisches Umgangsdeutsch, gesammelt 2013 und 2014 bei über 200 Teilnehmern. Mit diesen Sätzen erfasste schon Georg Wenker ab 1876 die Dialekte in Deutschland; mehr dazu im Beitrag über deutsche Dialekte.

Plautdietsch der Mennoniten

Plautdietsch ist die Eigenbezeichnung des Plattdeutschen vieler Mennoniten, einer täuferischen Glaubensgemeinschaft. Ein Teil von ihnen lebte in Russland. Nach der Canadian Encyclopedia verließen dort in den 1870er-Jahren wegen der Russifizierungspolitik der Regierung 18.000 Mennoniten das Land in Richtung Nordamerika; etwa 7.000 ließen sich im Süden Manitobas nieder. Von Kanada aus zogen manche weiter, etwa nach Paraguay. Nach dem Mennonitischen Lexikon gründeten Mennoniten aus Kanada dort 1927 im Chaco die erste Siedlung „Menno“ mit 1.280 Menschen. Sie hatten Kanada verlassen, nachdem der Staat ihr Schulwesen reformieren wollte. 1930 bis 1932 kamen etwa 2.000 Flüchtlinge aus der Sowjetunion hinzu, 1947/48 weitere rund 4.169. Als Muttersprache nennt das Lexikon „Deutsch bzw. Plattdeutsch“.

Auch in Mexiko gibt es mennonitische Siedlungen. Das Variantenwörterbuch des Deutschen nahm 2016 erstmals 46 Stichwörter aus diesen Siedlungen auf und behandelt sie als eigenes kleines Zentrum der deutschen Standardsprache.

Texas German

Die Einwanderung aus Deutschland an die Golfküste begann in den 1840er-Jahren. Nach dem Handbook of Texas kamen zwischen 1844 und 1847 über den Adelsverein mehr als 7.000 Deutsche nach Texas und gründeten unter anderem New Braunfels und Fredericksburg. Das Texas German Dialect Project der University of Texas at Austin, gegründet im September 2001, nennt diese Zahlen:

JahrTexas Germans nach dem TGDP
18508.266 in Deutschland geborene Einwanderer
1860etwa 30.000
1940etwa 159.000
1960er-Jahreetwa 70.000 Sprecher im „German belt“
heute8.000–10.000 fließende Sprecher, meist über sechzig

Gründe für den Rückgang waren nach dem Projekt Gesetze, die Englisch als Schulsprache vorschrieben (1909 und 1918), die Stigmatisierung des Deutschen in beiden Weltkriegen und die Abwanderung der Jüngeren. Das Projekt stuft Texas German als kritisch gefährdet ein. Typische Wörter sind Bungis für Kürbis, Stinkkatze für Stinktier und Luftschiff für Flugzeug.

Deutsche im Barossa-Tal in Australien

Nach Südaustralien kamen Deutsche schon kurz nach der Gründung der Kolonie 1836. Zwischen 1838 und 1840 trafen 486 Lutheraner aus Brandenburg unter Pastor August Kavel ein. Die frühen Siedler stammten nach dem Migration Museum vor allem aus den preußischen Provinzen Brandenburg, Schlesien und Posen. Im Barossa-Tal entstanden in den 1840er- und 1850er-Jahren etwa zwölf deutsche Siedlungen, darunter Bethanien, Langmeil und Lyndoch.

Im Ersten Weltkrieg wurden viele Deutsche interniert oder angefeindet, viele änderten ihre Namen, und deutsche Ortsnamen wurden ersetzt. Einige Orte tragen ihre alten Namen inzwischen wieder. Ob und von wie vielen dort heute noch ein eigener deutscher Dialekt gesprochen wird, ließ sich aus den geprüften Quellen nicht belegen.

Viele Auswanderer schrieben ihre Briefe und Kirchenbücher noch in deutscher Schrift. Wer solche Dokumente lesen will, findet Hilfe unter alte Schriften lernen und im Beitrag über Kirchenbücher lesen. Wie sich die Standardsprache innerhalb Europas unterscheidet, zeigt der Beitrag Deutsch in Österreich und der Schweiz.

Häufige Fragen

Wie viele Menschen lernen weltweit Deutsch?
Nach der Erhebung „Deutsch als Fremdsprache weltweit“ von 2020 lernen mehr als 15,4 Millionen Menschen Deutsch als Fremdsprache, davon rund 11,2 Millionen in Europa.
Was ist Pennsylvania Dutch?
Pennsylvania Dutch oder Pennsylvania German ist eine deutsche Varietät in Nordamerika. Sie ähnelt am meisten den Dialekten der südöstlichen Pfalz um Mannheim. Die Amischen sprechen sie untereinander im Alltag.
Wo in Brasilien spricht man Hunsrückisch?
Vor allem im Süden Brasiliens, in Rio Grande do Sul und Santa Catarina. Mehrere Gemeinden haben es per Gesetz zur kooffiziellen Sprache erklärt, darunter Antônio Carlos (Santa Catarina) im Jahr 2010.
Ist Deutsch Amtssprache in Namibia?
Nein. Seit der Unabhängigkeit 1990 ist Englisch die einzige Amtssprache. Deutsch ist eine der anerkannten Nationalsprachen und wird von rund 20.000 Menschen als Erstsprache gesprochen.
Gibt es noch Texas German?
Ja, aber nur noch wenige Menschen sprechen es fließend. Das Texas German Dialect Project schätzt 8.000 bis 10.000 Sprecher, meist über sechzig Jahre alt, und rechnet mit dem Aussterben innerhalb von 30 Jahren.

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