Walbaum-Fraktur
Schriftentwurf · Gebrochene Schriften des 18. und 19. Jahrhunderts · um 1800 · Ruhig, klassizistisch
Weimar Klassik
Die Walbaum-Fraktur geht auf Justus Erich Walbaum (1768–1837) zurück. Er war Stempelschneider und Schriftgießer und kam über Umwege zu seinem Beruf: Als Konditorlehrling schnitt er Formen für Backwerk, später Medaillen und schließlich Schriftstempel. 1799 kaufte er in Goslar die Schriftgießerei des Buchdruckers Kircher und verlegte sie 1803 nach Weimar. Laut der Bauhaus-Universität Weimar geschah der Umzug auf Wunsch des Verlegers Friedrich Justin Bertuch, für den Walbaum dann wichtigster Lieferant wurde.
Heute kennt man Walbaum vor allem durch seine klassizistische Antiqua. Zu ihrer Zeit waren aber gerade seine Frakturschriften sehr beliebt. Die Chronik der Schriftgießereien schreibt sie ihm und seinem Sohn Theodor gemeinsam zu. Schon ein einseitiges Schriftmusterblatt von 1803 zeigt die Fraktur in neun Größen; der Name „Walbaum-Fraktur“ wurde ihr erst nachträglich gegeben. Wie seine Antiqua gilt auch die Fraktur als klar gebaute, präzise Schrift – eine Fraktur aus der Zeit des Klassizismus, eher nüchtern als verspielt.
1828 übergab Walbaum die Firma seinem Sohn. Nach dessen frühem Tod verkaufte er sie an den Verlag F. A. Brockhaus, der die Gießerei 1843 nach Leipzig holte. 1918 ging sie an die H. Berthold AG. Weil die alten Matrizen dabei erhalten blieben, konnte Berthold die Walbaum-Fraktur seit 1920 neu gießen. Heute gibt es zahlreiche digitale Fassungen, unter anderem von Linotype, URW++, Elsner+Flake und Dieter Steffmann.
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- Fette FrakturEine der frühesten fetten Frakturen der 1830er Jahre kam aus der Weimarer Walbaum-Gießerei, wahrscheinlich von Theodor Walbaum geschnitten.