Fette Fraktur

Schriftentwurf · Gebrochene Schriften des 18. und 19. Jahrhunderts · ab den 1830er-Jahren · Kräftig, für Überschriften

Zeitung Brauerei

„Fett“ heißt hier einfach „sehr kräftig“. Die Fette Fraktur ist eine besonders schwere Fraktur, die mehr für Werbung und Überschriften gedacht war als für Lesetext. Damit gehört sie zu einer Entwicklung des 19. Jahrhunderts: Ab etwa 1825 entstanden zahllose auffällige Auszeichnungs- und Zierschriften. Sie kamen zuerst als Antiqua aus Paris, England und Amerika und wurden in Deutschland dann auf Fraktur und andere gebrochene Schriften übertragen. Die ersten fetten Frakturen entstanden Mitte der 1830er Jahre als deutsche Antwort auf die englischen „Fat Faces“, etwa Schnitte des Berliner Stempelschneiders Krumwiede und der Walbaum-Gießerei in Weimar.

Meist wird die Fette Fraktur dem Frankfurter Stempelschneider Johann Christian Bauer (1802–1867) zugeschrieben, mit der Jahreszahl 1850. Bauer hatte sich 1833 in Frankfurt niedergelassen, arbeitete von 1839 bis 1847 in Großbritannien und galt als hervorragender Stempelschneider. Der Typenhistoriker Dan Reynolds hat die Zuschreibung allerdings genau geprüft. Er fand keine Schriftprobe Bauers mit einer solchen Fraktur, die älter ist als die frühen 1870er Jahre. Die Bauersche Gießerei nannte ihre „Neueste fette Fraktur“ von 1874 ausdrücklich „geschnitten von A. und C. Bauer“, also von Bauers Söhnen Alexander und Conrad.

Danach verkauften viele Gießereien die Schrift oder nahe Verwandte davon, darunter C. E. Weber in Stuttgart, die Reichsdruckerei und D. Stempel. Die bis heute bekannteste Form geht auf Stempel zurück und wurde später auch für die Linotype-Setzmaschine umgesetzt. Typisch sind sehr starke Grundstriche, große Kontraste und ein kompaktes, dunkles Schriftbild. Heute steht die Fette Fraktur oft für „altdeutsche“, bayerische oder österreichische Tradition, etwa in Werbung und auf Verpackungen. Dabei werden die Regeln des Fraktursatzes wie das lange s oder die Pflichtligaturen häufig nicht beachtet.

Alphabet

Kleinbuchstaben

  • a
  • b
  • c
  • d
  • e
  • f
  • g
  • h
  • i
  • j
  • k
  • l
  • m
  • n
  • o
  • p
  • q
  • r
  • s
  • t
  • u
  • v
  • w
  • x
  • y
  • z

Großbuchstaben

  • A
  • B
  • C
  • D
  • E
  • F
  • G
  • H
  • I
  • J
  • K
  • L
  • M
  • N
  • O
  • P
  • Q
  • R
  • S
  • T
  • U
  • V
  • W
  • X
  • Y
  • Z

Umlaute und Sonderzeichen

  • ä
  • ö
  • ü
  • Ä
  • Ö
  • Ü
  • ß
  • langes s

Satzzeichen

  • .
  • ,
  • ;
  • :
  • !
  • ?
  • „
  • “
  • ‚
  • ‘
  • »
  • «
  • (
  • )
  • -
  • –
  • '
  • &
  • §
  • *
  • /

Ziffern

  • 0
  • 1
  • 2
  • 3
  • 4
  • 5
  • 6
  • 7
  • 8
  • 9

Ligaturen

  • ch
  • ck
  • tz
  • ſt
  • ſſ
  • ſch
  • ff
  • fi
  • fl
  • ft
  • tt
  • ll

Wörter im Vergleich

ZeitungZeitung
BrauereiBrauerei
AnzeigeAnzeige

Selbst ausprobieren

Zeitung Brauerei Anzeige

Fette Fraktur üben

Verwandte Schriften

  • FrakturDie Fette Fraktur ist eine schwere Werbevariante der klassischen Fraktur.
  • Walbaum-FrakturIn der Weimarer Walbaum-Gießerei entstand eine der ersten fetten Frakturen der 1830er Jahre.
  • AltgotischBeide gehören zur Welle der Auszeichnungs- und Zierschriften des 19. Jahrhunderts.

Digitale Schriftdateien

  • Fette UNZ Fraktur – Peter Wiegel. SIL Open Font License 1.1 / GPL mit Font-Ausnahme. Bezugsquelle
  • Daten nach Sekundärliteratur bzw. Font-Metadaten; Einzelbelege werden ergänzt.
  • Urheberschaft und Datierung sind umstritten: 1850 oder 1855 für J. C. Bauer ist nicht belegt; Reynolds hält die Söhne A. & C. Bauer (frühe 1870er) für wahrscheinlicher und nennt das ausdrücklich eine Vermutung.
  • Es gab rund 15 verschiedene „Fette Frakturen“; „die“ Fette Fraktur ist ein Sammelname.

Quellen

  1. Wiegel, Peter: Freie Schriften, Beschreibungen und Hintergrundtexte zu den einzelnen Fonts. Link
  2. Kapr, Albert: Fraktur. Form und Geschichte der gebrochenen Schriften. Mainz: Hermann Schmidt, 1993.

Weitere Quellen der Recherche