Rechtschreibung und Zeichen · · 7 Minuten Lesezeit
Satzzeichen im Deutschen: Komma, Apostroph, Anführungszeichen
Deutsche Satzzeichen sehen auf den ersten Blick aus wie englische, folgen aber eigenen Regeln. Anführungszeichen stehen unten und oben, Nebensätze werden immer mit Komma abgetrennt, und der Apostroph ist seltener als im Englischen.
Anführungszeichen: „…“, »…« und «…»
Das amtliche Regelwerk regelt in § 79, wann Anführungszeichen stehen: bei direkter Rede und Zitaten, bei erwähnten Ausdrücken wie Werktiteln und bei Wörtern, die man nur unter Vorbehalt gebraucht. Eine Anführung innerhalb einer Anführung steht nach § 79 E2 in der Regel in halben Anführungszeichen: „… ‚Eile mit Weile‘ …“. Die Form der Zeichen legt das Regelwerk nicht fest.
| Form | Name | Gebrauch |
|---|---|---|
| „…“ | deutsche Anführungszeichen | Deutschland, Österreich; Schreibschrift und Alltag |
| »…« | Guillemets, Spitzen nach innen | Deutschland, Österreich; verbreitet im Druck |
| «…» | Guillemets, Spitzen nach außen | Schweiz, Frankreich |
| “…” | englische Anführungszeichen | Englisch |
Der Duden verwendet in seinen Regeln die „Gänsefüßchen“ („…“), weil sie in der Schulschrift üblich sind. Er schreibt aber auch, dass in der Textverarbeitung und im grafischen Gewerbe andere Formen sehr verbreitet sind. Das Typolexikon von Wolfgang Beinert beschreibt die deutschen Guillemets mit den Spitzen nach innen, die schweizerischen mit den Spitzen nach außen. Englische Anführungszeichen stehen beide oben.
Die Schweizer Regel
Die Schweizerische Bundeskanzlei schreibt für amtliche Texte des Bundes Guillemets «…» vor, für Anführungen in Anführungen ‹…›. Die in Deutschland übliche Form »…« ist in amtlichen Texten der Schweiz ausdrücklich nicht zulässig. Gänsefüßchen werden nicht empfohlen: Sie seien schwer zu erkennen, wenn sie mit Punkt oder Komma zusammenfallen.
Kommaregeln: Unterschiede zum Englischen
Das Regelwerk beschreibt das Komma als „grammatisches Zeichen“. Es zeigt drei Dinge an: Reihungen (§ 70 und 71), Zusätze (§ 72) und Nebensätze (§ 73). Daraus ergeben sich die wichtigsten Unterschiede zum Englischen.
Nebensätze immer mit Komma
Das Komma zeigt Nebensätze an.
Das gilt unabhängig davon, ob der Nebensatz vorn, in der Mitte oder hinten steht: Es freut mich, dass du wieder gesund bist. Als er nach Hause kam, war es schon spät. Auch Relativsätze werden immer abgetrennt: Das Buch, das ich mitgebracht habe, liegt auf dem Tisch.
Im Englischen ist das anders. Die Schreibanleitung der Purdue University empfiehlt ein Komma nach einem vorangestellten Nebensatz, aber kein Komma, wenn der Nebensatz dem Hauptsatz folgt. Relativsätze, die für die Bedeutung notwendig sind, stehen dort ohne Komma.
| Deutsch | Englisch |
|---|---|
| Ich weiß, dass er kommt. | I know that he is coming. |
| Sie ging, weil es regnete. | She left because it was raining. |
| Der Mann, der dort steht, ist mein Onkel. | The man who is standing there is my uncle. |
Reihungen: kein Komma vor und
Nach § 71 ersetzen Konjunktionen wie und und oder das Komma: Ich kaufte Kartoffeln, Nudeln und Salat. Im amerikanischen Englisch empfiehlt Purdue dagegen ein Komma auch vor dem letzten Glied einer Aufzählung, das sogenannte Serial Comma.
Infinitivgruppen
Bei Infinitiven mit zu hat das Regelwerk 2024 die Regeln vereinfacht. Erweiterte zu-Infinitive gelten nun als infinite Nebensätzeinfiniter Nebensatz: Nebensatz ohne gebeugtes Verb, etwa eine Gruppe mit zu und Infinitiv. und werden mit Komma abgetrennt: Der Minister hat bedauert, das Kabinett nicht überzeugen zu können. Nach der Zusammenfassung des Rats ersetzt diese Pflicht die frühere Wahlfreiheit, weil bei der freien Regel mehr Fehler beobachtet wurden.
Beim einfachen zu-Infinitiv bleibt die Wahl: Kim hat versucht, abzunehmen und Kim hat versucht abzunehmen sind beide richtig. Kein Komma steht, wenn der Infinitiv Teil des Prädikats ist: Sie hat ihren Chef nicht zu fragen gewagt. Die Stellung des Kommas kann die Bedeutung ändern:
- Sie beschloss, im Morgengrauen nicht noch einmal aufzubrechen.
- Sie beschloss im Morgengrauen, nicht noch einmal aufzubrechen.
Zusätze und Datumsangaben
Zusätze wie Anreden, Beisätze oder nachgestellte Erläuterungen trennt § 72 mit Komma ab: Bello, der Hund unserer Nachbarn, bellt die ganze Nacht. Seit 2024 ist das schließende Komma bei mehrteiligen Orts- und Zeitangaben Pflicht: Am Freitag, den 25. September, feiern sie ihre Silberhochzeit. Bei nachgestellten Erläuterungen darf es dagegen entfallen, wenn man sie als verkürztes Satzglied auffasst: Auf der Ausstellung waren viele skandinavische Firmen, insbesondere finnische(,) vertreten.
Doppelpunkt: groß oder klein danach?
Der Doppelpunkt kündigt an, was folgt. Ob danach groß- oder kleingeschrieben wird, hängt seit 2024 nur davon ab, was nach dem Doppelpunkt steht. Folgt ein ganzer Satz, schreibt man das erste Wort groß: Haus und Hof, Gut und Geld: Alles ist verloren. Folgt nur ein Wort oder eine Wortgruppe, gelten die allgemeinen Regeln: Sie hatte alles verloren: ihren Mann, ihre Kinder und ihr ganzes Vermögen. Einen Doppelpunkt setzt man nach § 75 nicht, wenn der folgende Teil grammatisch vollständig abhängt: Er sagte, er komme morgen. Vor direkter Rede steht nach § 79 E1 ein Doppelpunkt: Er fragte: „Kommst du?“
Apostroph und Deppenapostroph
Nach § 80 zeigt der Apostroph Strukturen in einem Wort an, die nicht durch Buchstaben ausgedrückt werden. Das Regelwerk nennt vier Fälle:
- Genitiv von Namen auf s, ss, ß, x, z oder ce ohne Artikel: Hannes’ Vorschlag, Max’ Tante, Johann Strauß’ Walzer.
- Die Endung -sch bei großgeschriebenen Namen: Bach’sche Fuge, daneben bachsche Fuge.
- Ausgelassene Buchstaben: heil’ge Hallen, ’s ist Krieg, ’n Abend.
- Verschmelzungen: Machen Sie’s sich nicht so schwer; häufige Formen auch ohne Apostroph: wie gehts.
Eva’s Blumenladen
Ein Apostroph vor dem Genitiv-s ist nach § 80 E1 nur erlaubt, wenn die ganze Wendung ein Name ist: Eva’s Blumenladen oder Evas Blumenladen, aber nur Evas Mutter. Nach der Zusammenfassung des Rats wurde diese Regel 2024 deutlicher eingegrenzt. Für den Plural ist der Duden eindeutig: „Vor dem Plural-s steht nie ein Apostroph.“ Richtig ist also Autos, nicht Auto’s.
Für den falsch gesetzten Apostroph gibt es das Wort DeppenapostrophDeppenapostroph: Abwertende Bezeichnung für einen Apostroph, der gegen die Rechtschreibregeln gesetzt wird.. Das DWDS verzeichnet es als „abwertend, gelegentlich scherzhaft“ und erklärt es als Apostroph, der in Unkenntnis der geltenden Regeln falsch gesetzt wird. Als Belege führt es Zeitungsartikel ab 2004 an, mit Beispielen wie Handy’s, Hobby’s oder Bismarck’s Politik.
Gedankenstrich und Bindestrich
Das Regelwerk unterscheidet zwei Zeichen, die oft verwechselt werden. Der kurze Strich heißt dort DivisDivis: Der kurze waagerechte Strich, der als Trenn-, Binde- oder Ergänzungsstrich dient.. Er dient als Trennstrich am Zeilenende, als Bindestrich (7-Bit-Code, Ich-Erzählung) und als Ergänzungsstrich (Apfel- oder Kirschkuchen). Der Gedankenstrich zeigt nach § 77 einen Wechsel an: des Sprechers, des Themas, der Erwartung oder der Satzkonstruktion.
| Merkmal | Divis (Bindestrich) | Gedankenstrich |
|---|---|---|
| Form | kurz: - | länger: – |
| Kontakt zu Buchstaben | immer | nie |
| Aufgabe | gehört zum Wort | gliedert Satz und Text |
| Beispiel | Gießkannen-Prinzip | Er hatte das Geld – gestohlen. |
Im Typolexikon heißt der Gedankenstrich auch Halbgeviertstrich. Als Einschub steht er mit Leerzeichen davor und danach. Als Bis-Strich, etwa in Zahlenangaben, steht derselbe Strich ohne Leerzeichen. Ein Komma nach dem zweiten Gedankenstrich steht nach § 77 E2 dann, wenn es auch ohne den Einschub stehen müsste: Er weigert sich – leider –, nach Frankfurt zu kommen.
Auslassungspunkte (Ellipse)
Drei Punkte zeigen nach § 78 an, dass Informationen fehlen: ein Teil eines Wortes, eines Satzes oder eines Textes. Einige Regeln:
- Am Ende eines Satzes entfällt der Schlusspunkt: Na, du weißt das ja … Frage- und Ausrufezeichen bleiben: …?
- Fehlt ein Teil eines Wortes, stehen die Punkte direkt am Wort: Du D…! Sonst steht ein Leerzeichen davor.
- Kürzt man ein Zitat, stehen die Punkte in eckigen Klammern: Mein Sohn, was birgst du […] dein Gesicht?
Kurze Geschichte der deutschen Satzzeichen
Nach Michael Schneider (Universität Marburg) markierten in frühen deutschen Texten Punkte das Ende von Sätzen und Versen. Im späten Mittelalter kam die VirgelVirgel: Schräger Strich (/), der in frühneuhochdeutschen Texten die Aufgabe des Kommas hatte. hinzu, ein Schrägstrich, der Satzteile trennt. Im 15. Jahrhundert schrieben Niklas von Wyle und Heinrich Steinhöwel erste Anleitungen zur Zeichensetzung, die Drucker wegen ihrer Kompliziertheit aber meist nicht beachteten. In Luthers Zeit gab es bereits Punkt, Komma, Virgel, Doppelpunkt, Fragezeichen und Ausrufezeichen. Gesetzt wurden die Zeichen damals vor allem nach der Betonung. Im 18. Jahrhundert setzte sich nach Schneider das Komma endgültig gegen die Virgel durch.
Wer Drucke aus der Zeit Luthers liest, trifft deshalb neben dem Komma auf die Virgel. Lesehilfen für Texte in FrakturFraktur: Gebrochene Druckschrift, die im deutschen Sprachraum rund 400 Jahre lang die übliche Schrift für Bücher und Zeitungen war. und anderen alten Schriften bietet die Seite Texte in alten Schriften lesen. Wie sich die Regeln seit 1901 verändert haben, beschreibt der Beitrag über die Rechtschreibreformen. Zur Großschreibung nach dem Doppelpunkt und bei Substantiven siehe Großschreibung im Deutschen.
Häufige Fragen
- Welche Anführungszeichen benutzt man im Deutschen?
- In Deutschland und Österreich „…“ (unten, oben) und in Büchern oft »…« mit den Spitzen nach innen. In der Schweiz sind «…» mit den Spitzen nach außen üblich; in amtlichen Texten des Bundes sind sie vorgeschrieben.
- Steht vor dass immer ein Komma?
- Ein dass-Satz wird als Nebensatz immer mit Komma abgetrennt, anders als oft im Englischen. Gehören weitere Wörter zum Nebensatz, etwa bei ohne dass, steht das Komma vor diesen Wörtern: Er ging, ohne dass jemand es merkte.
- Ist „Eva's Blumenladen“ falsch?
- Nein. Seit der Fassung von 2024 erlaubt das Regelwerk den Apostroph vor dem Genitiv-s, wenn die ganze Wendung ein Name ist. Bei Evas Mutter ist er aber nicht erlaubt, und vor dem Plural-s steht nie ein Apostroph.
- Was ist der Unterschied zwischen Bindestrich und Gedankenstrich?
- Der Bindestrich ist kurz und berührt immer Buchstaben, er gehört zum Wort. Der Gedankenstrich ist länger und steht mit Leerzeichen zwischen Wörtern oder Sätzen.
- Muss man vor einem erweiterten Infinitiv ein Komma setzen?
- Nach dem Regelwerk von 2024 ja: Erweiterte zu-Infinitive gelten als Nebensätze und werden mit Komma abgetrennt. Beim einfachen zu-Infinitiv ist das Komma freigestellt.