Druck und Handwerk · · 6 Minuten Lesezeit
Stempel, Matrize, Gießinstrument: Gutenbergs Verfahren
Johannes Gutenberg druckte um 1450 in Mainz mit beweglichen Lettern aus Metall. Das Verfahren hatte vier Teile: Stempel, Matrize, Gießinstrument und Presse.
Person und Werkstatt
Gutenberg wurde zwischen 1394 und 1399 in Mainz geboren; das genaue Datum ist unbekannt. Von 1434 bis 1444 ist er in Straßburg belegt, 1448 wieder in Mainz. Ende 1449 oder Anfang 1450 lieh ihm der Mainzer Kaufmann Johannes Fust 800 Gulden, 1452 weitere 800 Gulden als Einlage in das gemeinsame Geschäft.
1455 kam es zum Rechtsstreit. Am 6. November 1455 leistete Fust vor dem Notar Ulrich Helmasperger einen Eid; das Protokoll ist als Helmaspergersches Notariatsinstrument erhalten. Gutenberg verlor den verpfändeten Teil seiner Druckerei. Fust führte sie mit Peter Schöffer, Gutenbergs früherem Gehilfen, weiter; 1457 erschien dort der Mainzer Psalter. Gutenberg starb im Februar 1468 in Mainz.
Stempel und Matrize
Am Anfang steht der StempelStempel: Das erhaben geschnittene Stahl-Original eines Buchstabens, auch Patrize genannt. Er wird in weicheres Metall geschlagen und erzeugt so die Mater. Wer Stempel schneidet, heißt Stempelschneider.: ein Stahlstift, in dessen Stirnseite das Zeichen spiegelverkehrt und erhaben geschnitten ist. Der Stempel wird in einen rechteckigen Block aus weicherem Metall geschlagen, meist Kupfer. Das Ergebnis ist die Matrize, auch MaterMater: Gießform für eine Letter, auch Matrize genannt (Mehrzahl: Matern). Ein kleines Metallstück, in das das Buchstabenbild vertieft eingeprägt ist; jede Mater ergibt beim Guss immer denselben Buchstaben. genannt: eine vertiefte Form des Zeichens. Für jedes Zeichen braucht es einen eigenen Stempel und mindestens eine Matrize.
Das Handgießinstrument
Das Gutenberg-Museum bezeichnet das HandgießinstrumentGießinstrument: Verstellbare Handgießform, mit der Gutenberg Lettern in beliebiger Menge und genau gleicher Höhe gießen konnte – vermutlich der eigentliche Kern seiner Erfindung. als wichtigsten Teil der Erfindung. Es bestand aus zwei L-förmigen Metallteilen in einem Holzrahmen. Zusammengesetzt bildeten sie einen rechteckigen Hohlraum. Unten wurde die Matrize eingesetzt und mit einer Feder gehalten. Die Weite ließ sich nach Zeichenbreite verstellen: Ein schmales i braucht weniger Raum als ein breites m.
In die Form wurde flüssiges Metall gegossen. Nach dem Erkalten öffnete man sie, nahm die LetterLetter: Einzelner Metallkörper mit einem spiegelverkehrten, erhabenen Buchstaben darauf. Aus vielen Lettern wird eine Druckzeile gesetzt. Auch „Type“ genannt. heraus und goss die nächste. So entstanden viele gleiche Lettern hintereinander. Anschließend wurden sie auf die richtige Höhe gefeilt.
Das Gießmetall war eine Legierung auf Bleibasis mit Zinn und weiteren Zusätzen. Die genaue Zusammensetzung von Gutenbergs Metall ist nicht überliefert. Rekonstruktionen nach späteren Beschreibungen gehen von überwiegend Blei mit Zinn und Antimon aus, wie beim späteren HartbleiHartblei: Gießmetall für Lettern aus Blei, Antimon und Zinn. Antimon macht die Letter hart, Zinn lässt das Metall gut fließen, damit auch feine Linien scharf ausgegossen werden..
Satz, Presse und Farbe
Die Lettern lagen nach Zeichen sortiert im SetzkastenSetzkasten: Flacher Holzkasten mit vielen Fächern, in denen die Lettern einer Schrift liegen – häufige Buchstaben in großen Fächern nahe beim Setzer.. Der Setzer reihte sie im HandsatzHandsatz: Der Setzer nimmt jede Letter einzeln aus dem Setzkasten und reiht sie im Winkelhaken zu Zeilen. zu Zeilen und die Zeilen zu Seiten. Gedruckt wurde auf einer Spindelpresse, die nach dem Vorbild der Weinpresse gebaut war: Eine Schraube drückt eine Platte gleichmäßig auf Papier und Satz.
Gutenberg verwendete eine Farbe auf Ölbasis. Nach Angaben der Japanischen Nationalbibliothek bestand sie aus Ruß und Leinöl, dazu kamen unter anderem Walnussöl, Terpentinöl, Kiefernharz und Zinnober. Das Rezept blieb bis ins 17. Jahrhundert geheim.
Die Gutenberg-Bibel
Das bekannteste Werk aus Gutenbergs Werkstatt ist die lateinische Bibel, gedruckt etwa 1452 bis 1455. Nach ihrer Zeilenzahl heißt sie auch B42. Die ersten Seiten haben 40 Zeilen je Spalte, danach wurde eine kleinere Schrift gegossen und auf 42 Zeilen umgestellt. Die Schrift ist eine Textura. Für den Satz wurden knapp 300 verschiedene Zeichen gegossen, darunter Varianten, Ligaturen und Abkürzungen.
Ein früher Bericht stammt von Enea Silvio Piccolomini, dem späteren Papst Pius II. Am 12. März 1455 schrieb er an Kardinal Juan de Carvajal, er habe in Frankfurt Lagen einer Bibel gesehen. Man könne sie ohne Brille lesen. Nach Zeugen seien 158 Exemplare fertig, andere sprächen von 180, und Käufer seien schon vor der Fertigstellung gefunden gewesen.
Die Library of Congress geht von etwa 180 Exemplaren aus, 145 auf Papier und 35 auf Pergament. 49 Exemplare sind ins 20. Jahrhundert gelangt, 21 davon vollständig. Bücher, die bis zum Jahr 1500 gedruckt wurden, heißen InkunabelnInkunabel: Wiegendruck: ein Buch, das in der Frühzeit des Buchdrucks bis zum Jahr 1500 gedruckt wurde..
Offene Fragen der Forschung
Wie genau Gutenberg seine Lettern goss, ist nicht abschließend geklärt. 2001 verglichen Paul Needham und Blaise Agüera y Arcas in Princeton Buchstaben aus frühen Mainzer Drucken digital. Sie fanden mehr Abweichungen zwischen gleichen Zeichen, als ein Guss aus einer festen Matrize erklärt. Daraus schlossen sie auf vorübergehende Gussformen, die neu gebildet wurden. Das Verfahren mit fester Matrize sei erst später entstanden.
Christoph Reske von der Universität Mainz hält den automatischen Bildvergleich für methodisch ungeeignet. Nach seiner Untersuchung passen die Befunde zum System aus Stempel, Matrize und Handgießinstrument, das wahrscheinlich Gutenberg erfunden hat. Die oben beschriebene Abfolge ist die überlieferte Lehrmeinung.
Häufige Fragen
- Was ist der Unterschied zwischen Stempel und Matrize?
- Der Stempel ist ein Stahlstift mit dem erhaben und spiegelverkehrt geschnittenen Zeichen. Schlägt man ihn in ein weicheres Metall, meist Kupfer, entsteht die Matrize: eine vertiefte Form, in die das Gießmetall fließt.
- Woraus bestanden Gutenbergs Lettern?
- Aus einer Legierung auf Bleibasis mit Zinn und weiteren Zusätzen. Die genaue Zusammensetzung seines Metalls ist nicht überliefert; Rekonstruktionen stützen sich auf spätere Beschreibungen.
- Wie viele Gutenberg-Bibeln gibt es noch?
- Laut Library of Congress sind 49 Exemplare ins 20. Jahrhundert gekommen, 21 davon vollständig. Gedruckt wurden nach zeitgenössischen Angaben 158 oder 180 Exemplare.
- Ist sicher, dass Gutenberg mit dem Handgießinstrument gegossen hat?
- Nein. Bildvergleiche von Paul Needham und Blaise Agüera y Arcas deuten auf ein anderes Gussverfahren hin. Christoph Reske hält ihre Methode für ungeeignet und das System aus Stempel, Matrize und Gießinstrument für wahrscheinlich. Die Frage ist offen.