Offenbacher Reform

Schriftentwurf · Jugendstil und Reformschriften um 1900 · um 1900 · Reformschrift zwischen Fraktur und Antiqua

Die Offenbacher Reform ist eine gebrochene Schrift, die die Offenbacher Schriftgießerei Roos & Junge um 1900 als Hausschnitt herausbrachte. Als Gestalter nennt der Schriftdigitalisierer Peter Wiegel Alfred Ausprung. Die Gießerei wurde 1868 von dem Kaufmann Jakob Roos und dem Schriftgießer Ernst Ludwig Junge gegründet. Ab 1885 wechselte sie mehrfach den Besitzer, 1899 wurde sie eine GmbH, und 1916 beschloss man ihre Auflösung. Danach übernahm die Frankfurter Schriftgießerei D. Stempel AG das Geschäft.

Der Name verweist auf die „Reformschriften“ der Zeit um 1900. Damals wollten Künstler und Gießereien die gebrochenen Schriften erneuern, die sie als erstarrt empfanden. Die Chronik der Schriftgießereien spricht von den „seit 1900 entstandenen neudeutschen Schriften“ mit vereinfachten gotischen Formen. Ein frühes Beispiel ist die „Neudeutsch“ von Otto Hupp, die Genzsch & Heyse ab Dezember 1899 herausbrachte. Gerade Offenbach mit seinen vielen Gießereien war ein Zentrum dieser Bewegung, mit Eckmann- und Behrens-Schrift bei der benachbarten Rudhardschen Gießerei.

Solche Schriften verbinden meist ein gebrochenes Grundgerüst mit vereinfachten, kräftigen Formen und lassen die verspielten Zierelemente der älteren Fraktur weg. Die Offenbacher Reform ist auf große Überschriften angelegt. Die digitale Fassung von Peter Wiegel („Offenbacher Reform CAT“) ist eine kräftige Displayschrift mit großer x-Höhe, enthält langes und rundes s sowie Ligaturen und ist frei verfügbar.

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  • FrakturReformschriften verstehen sich als Erneuerung der traditionellen Fraktur.

Digitale Schriftdateien

  • Offenbacher Reform – Peter Wiegel (CAT-Fonts). SIL Open Font License 1.1 / GPL mit Font-Ausnahme. Bezugsquelle
  • Daten nach Sekundärliteratur bzw. Font-Metadaten; Einzelbelege werden ergänzt.
  • Alfred Ausprung als Gestalter nennt nur Peter Wiegel; in der Chronik der Schriftgießereien fehlt der Name.
  • Gründungsjahr von Roos & Junge: 1868 (Chronik) oder 1886 (Devroye). Übernahme durch Stempel: 1915 oder 1917, je nach Abschnitt der Chronik.
  • Der Begriff „Reformschrift“ und die typischen Merkmale sind in den Fachquellen nur über den Hinweis auf die „neudeutschen Schriften“ belegt.

Quellen

  1. Wiegel, Peter: Freie Schriften, Beschreibungen und Hintergrundtexte zu den einzelnen Fonts. Link

Weitere Quellen der Recherche